Freitag, 21. April 2017

Auge um Auge macht beide blind

von Heiko Wruck
KOMMENTAR
Die deutschen „Erdogan-Türken“ sollen gehen, wird dieser Tage häufig gefordert. Zu Unrecht.

Wir sollten uns fragen, wie wir mit den Deutschen umgehen wollen, die sich ebenfalls einen starken Führer wünschen, die als Reichsbürger unsere Demokratie und unseren Staat ablehnen. Wie wollen wir mit jenen Deutschen verfahren, die die Todesstrafe „wenigstens gegen Kinderschänder” wieder benutzen wollen. Wohin mit jenen Deutschen, die sich Mauer und Stacheldraht, die DDR und die alte Bundesrepublik zurückwünschen. Wie werden Türken, Nicht-Ur-Deutsche generell, von unserer deutschen Mehrheitsgesellschaft behandelt? Selbst dann, wenn sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und nur ein bisschen anders aussehen oder anders sprechen. Wie viele Gewalttaten gab es in Deutschland, die sich speziell gegen Türken richteten? In Mölln und Solingen brannten Häuser, in den Türken wohnten. Der NSU richtete seinen mörderischen Hass gegen Türken. Und er war nur die Spitze des braunen Eisbergs. Wir sollten uns fragen, warum Türken in Deutschland für Erdogan gestimmt haben und warum wir sie nicht für unsere Werte gewinnen konnten.

Wir sollten nicht nach dem Prinzip verfahren: Auge um Auge ... Das  bedeutet nur, dass beide Seiten blind werden. Aber wir können und müssen mit den Türken in Deutschland reden: fair und ehrlich diskutieren. Wir werden nicht alle erreichen und nicht jeden für uns gewinnen. Aber so und nicht anders ist das Leben.

Kontakt:
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