Montag, 17. April 2017

Grabungserfolg Säbelzahnkatze

Fast vollständiger Schädel entdeckt
Redaktion: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
PRESSEMITTEILUNG
Tübingen/gc. Unter der Leitung von Wissenschaftlern des Senckenberg-Forschungsinstituts und von der Universität Tübingen hat das Grabungsteam Überreste einer Säbelzahnkatze in der Fundstelle Schöningen entdeckt. Untersuchungen der Schädelfragmente an der niederländischen Universität Leiden zeigen, dass es sich bei dem Tier um einen Vertreter der europäischen Säbelzahnkatze Homotherium latidens handelt. Durch den neuen Fund sind nun bereits drei Individuen der großen Raubkatzen aus Schöningen bekannt.


Lange Krallen, messerscharfe, gekrümmte Eckzähne und die Größe eines ausgewachsenen Löwen: Säbelzahnkatzen (Homotherium latidens) waren Konkurrenten und wohl auch für den damaligen Menschen gefährliche Raubtiere. „Während unserer Grabung im Mai 2015 haben wir auffällige Knochenfragmente entdeckt“, erzählt Dr. Jordi Serangeli, Wissenschaftler an der Universität Tübingen und Grabungsleiter in der etwa 300.000 Jahre alten archäologischen Fundstelle und fährt fort: „Insgesamt gibt es nun drei Individuen von Homotherium in diesen relativ jungen Sedimentschichten.“

Bis zum ersten Fund einer Säbelzahnkatze im Jahr 2012 in der niedersächsischen Fundstelle Schöningen ging man davon aus, dass die großen Raubkatzen bereits 200.000 Jahre früher, vor etwa 500.000 Jahren ausstarben. „Unser Fund zeigt, dass Säbelzahnkatzen vor 300.000 Jahren anscheinend nicht so selten waren, wie bisher angenommen“, ergänzt Serangeli.

Die insgesamt elf Knochenfragmente konnten mittels Restaurierung 2016 von André Ramcharan und Ivo Verheijen an der Universität Leiden zu einem beinah vollständigen Hirnschädel zusammengesetzt werden. „Wir haben den wiederhergestellten Schädel dann mit heutigen und bereits ausgestorbenen Arten großer Fleischfresser verglichen und konnten so zeigen, dass es sich bei den Überresten um den Kopf einer europäischen Säbelzahnkatze handelt“, erläutert Prof. Dr. Thijs van Kolfschoten von der Universität Leiden.

Der dritte Säbelzahnkatzen-Fund birgt großes Potential: Dank der herausragenden Erhaltung in der Grabung Schöningen spiegelt der Schädelinnenraum die Form und Struktur des Homotherium-Gehirns wider. Das Wissenschaftlerteam verspricht sich durch die Untersuchung der feinen Gehirnstrukturen Rückschlüsse auf das Seh- und Hörvermögen sowie das Fressverhalten der großen Katzen zu erhalten. „Für das Verständnis der europäischen Säbelzahnkatze ist das dritte Homotherium aus Schöningen von unschätzbarem Wert“, resümiert Prof. Nicholas Conard, Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und Leiter des Instituts für ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen.

In naher Zukunft möchte das internationale Team vom Projekt Schöningen seine Ergebnisse aus interdisziplinären Studien zu den drei bisherigen Säbelzahnkatzen-Funden veröffentlichen. „Wir gehen zudem davon aus, dass uns bei den zukünftigen Grabungen weitere Homotherium-Funde erwarten“, gibt Serangeli einen Ausblick.

Mit den Grabungen in Schöningen ist ein zehnköpfiges Team dauerhaft beschäftigt – während der Hauptgrabungszeit kommen fünf bis zehn Studierende hinzu, die das wissenschaftliche Graben unterstützen. Weltweit forschen etwa 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 30 Institutionen und den unterschiedlichsten Disziplinen weltweit an den Funden aus Schöningen. Die Ausgrabungen werden vom Land Niedersachsen finanziert.

Der spektakuläre Neufund wird im Rahmen der Sonderausstellung „Die Eiszeit-Jägerin“ im paläon in Schöningen der Öffentlichkeit präsentiert. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Senckenberg, den internationalen Partnern und der paläon GmbH ist es möglich, spektakuläre wissenschaftliche Erkenntnisse zeitnah der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kontakt
Dr. Jordi Serangeli
Universität Tübingen / Senckenberg HEP
palaeon 1
38364 Schöningen, Deutschland
jordi.serangeli@uni-tuebingen.de
Tel.: 0178 9219630

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Bildunterschrift:
Künstlerische Darstellung von Homotherium latidens. Bild: Mauricio Antón

Aussender:
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