Dieses Blog durchsuchen

Montag, 26. März 2018

Familiär und selbstbestimmt

... zu sein, ist Philipp Walter wichtig
von Heiko Wruck
GESPRÄCH
Schwerin/gc. Wie beginnt der Mittelstandsunternehmer seinen Tag?
Wie andere Leute auch, 4.45 Uhr aufstehen. Gegen 6 gehen wir alle aus dem Haus: zur Kita, zur Schule, zur Arbeit. Dazwischen sind Morgentoilette und Frühstück für die ganze Familie. Mir selbst reicht ein Becher Kaffee. So geht das von Montag bis Freitag. Am Wochenende stehe ich um 6 Uhr auf. Dann gibt es auch Bäckerbrötchen, Wurst, Käse und Kaffee. Um 7.30 Uhr beginnt die Meisterschule.

Klingt alles ziemlich stressig.
Diese Art Stress ist sehr viel entspannter als der, den ich früher hatte. Heute geht mein Tag zwar auch von 4.45 bis circa 23 Uhr. Aber wie ich den Tag gestalte, entscheide ich allein. Beim Abschleppdienst war ich zeitweise auch viele Stunden pro Woche im Job, besonders bei kulturellen Höhepunkten. Da konnte man sich die Zeiten, in denen was erledigt werden musste, nicht aussuchen. Viel zu tun haben wir in der eigenen Werkstatt auch, aber die Arbeit ist sehr viel planvoller und selbstorganisierter.

... und risikoreicher.
Die Risiken sind überschaubar. Zurzeit habe ich drei sehr gute Mitarbeiter, ich suche noch einen jüngeren Mechatroniker, aber die Arbeit wird uns nicht ausgehen. Wenn wir mit den Füßen auf dem Boden bleiben und unsere Arbeit machen, dann ist das schon eine solide Lebensgrundlage, die noch viele Jahrzehnte stabil bestehen wird.

Trotz wartungsarmer E-Fahrzeuge und autonomer Autos?
Ja sicher. Auch E-Fahrzeuge haben Verschleiß, unterliegen Moden, müssen sicher sein, konkrolliert sowie gewartet werden. Sie altern, auch sie haben Kollisionen und Pannen. Andere elektrische Geräte wie Computer, Kühlschränke, Mikrowellen oder Waschmaschinen halten auch nicht ewig. Allerdings sind die einfacher zu tauschen als Autos. Ähnlich verhält es sich auch mit autonomen Fahrzeugen.

Aber die Zukunft ist online.
Auch künftig wird nicht alles nur online gemacht werden können. Es bedarf noch sehr lange der zupackenden Hand und guter Leute. Die muss man möglichst früh finden und auch möglichst lange halten, wenn das Unternehmen, und mit ihm der Unternehmer, eine Zukunft haben soll. Ich will in meinem Betrieb ein Team haben, dass nicht  durch ständigen Druck bewegt wird, sondern das durch Fairness und gegenseitiges Vertrauen gemeinsam erfolgreich ist. So ein Unternehmen ist auch immer eine enge Schicksalsgemeinschaft.

Das alles kann man auch haben, ohne das Risiko.
Das glaube ich nicht. Wenn man selbst entscheiden und selbst verantwortlich dafür sein will, dann geht das nur als Chef. Egal was passiert, der Chef ist immer die vorderste Front und die letzte Verteidigungslinie. Das sind die Risiken. Mit ihm steht und fällt letztlich alles.

War die Übernahme der alteingeführten Werkstatt schwierig?
Vom ersten Gespräch bis zum Schluss hat es fast genau ein Jahr gedauert. Es war nervenaufreibend, weil die Bank schwer zufriedenzustellen war. Auch die Beschaffung des Eigenkapitals war eine große Herausforderung. Aber meine Familie hat immer hinter mir gestanden. Das kann man nicht hoch genug bewerten.

Zur Person
„Ich war in den Schule nicht so schlecht, aber ich habe gelernt, dass Zensuren subjektiv sind“, sagt Philipp Walter. „Manche sind ausgezeichnete Praktiker.“
„Berufliches: 2008 - 2012 Ausbildung zum Karosserie- und Fahrzeugbauer bei Mercedes-Benz im  Lackier- und Karosseriezentrum Upahl; 2012 - 2015 Werkstatt im Autohaus Sperlich Schwerin; 2016 Ausbildung mit IHK-Abschluss zum Berufskraftfahrer; 2016 - 2017 Fahrer beim Abschleppdienst Neustadt-Glewe; 2017 Inhaber der Kfz-Werkstatt Guhl & Radloff Schwerin
Privates: geboren am 14. Oktober 1990 in Schwerin; in Plate aufgewachsen; 2008 Schulabschluss in Banzkow mit der 10. Klasse; ledig, lebt mit Lebenspartnerin, drei Kinder (2; 6; 10); Hobbys: Autos, Technik, am Trabbi schrauben, Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Plate (Hauptfeuerwehrmann)

Bildunterschrift:
Start-up-Unternehmer Philipp Walter: „In meinem Alter wohnen andere noch bei Mutti. Das wollte ich nicht. Mir ist es wichtig, mein Leben familiär,und selbstbestimmt gestalten zu können.“ Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
__________________________________________________