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Dienstag, 3. April 2018

Vieräugiges fossiles Reptil entdeckt

Mit dem Vierten sieht man besser
Redaktion: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
PRESSEMITTEILUNG
Frankfurt am Main/gc. Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team den Nachweis für eine vieräugige Echse erbracht. Anhand der ausgestorbenen Art Saniwa ensidens zeigen sie, dass der Waran zu Lebzeiten hinter dem sogenannten „Dritten Auge“ ein weiteres Sinnesorgan besaß. Sie liefern damit den ersten Beleg für ein vieräugiges höheres Wirbeltier. Die Studie erschien im Fachjournal „Current Biology“.

Bei vielen Eidechsen und der neuseeländischen Brückenechse ist es vorhanden: das Scheitelauge, auch als „Drittes Auge“ oder Parietalorgan bekannt. „Ein Scheitelauge war bei den Wirbeltieren des Paläozoikums vor über 250 Millionen Jahren regulär ausgebildet“, erklärt Dr. Krister Smith vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und Leiter der Studie. Er fährt fort: „Die Geschichte des Scheitelauges schien bisher ziemlich einfach zu sein: Wir sind davon ausgegangen, dass sich dieses Organ im Laufe der Evolution bei allen höheren Wirbeltieren außer den Eidechsen zurückgebildet hat.“ Diese Rückbildung ging mit einem Funktionswechsel zur Zirbeldrüse einher.

Dies scheint aber nach den neuesten Erkenntnissen des US-amerikanisch-deutschen Teams rund um Smith nicht der Fall gewesen zu sein: Die von ihnen untersuchte, fossile Waranart Saniwa ensidens besaß hinter dem dritten Auge sogar ein weiteres primitives viertes Sehorgan.

Das Waranfossil aus dem Eozän von Nordamerika ist etwa 49 Millionen Jahre alt und bis zu 1,30 Meter lang. Auf dessen Kopf befinden sich die beiden zusätzlichen Sinnesorgane in einer Mittellinienposition hintereinander auf der Schädeldecke. Die Position beider Augen widerspricht dem klassischen, paarigen Modell der Zirbeldrüse. „Wir gehen daher davon aus, dass das übliche ‚Dritte Auge’ der Eidechsen nichts mit der Zirbeldrüse zu tun hat. Die Zirbeldrüse, aus der sich das vierte Auge entwickelte, ist zwar noch bei Eidechsen vorhanden, befindet sich aber innerhalb des Schädels, wie bei Säugetieren“, erläutert Smith.

In ihrer Studie sprechen die Forscher daher auch von einer „Re-Evolution“: Einem Auftreten bereits verschwundener Merkmale nach sehr langer Zeit. „Ein vergleichbarer Vorgang wäre es beispielsweise, wenn unsere heutigen Vögel wieder Zähne bekämen“, ergänzt Smith.

Die besondere Entwicklung der Sehorgane bei Echsen hat auch Folgen für die kommende Forschung. Smith hierzu: „Es stellt sich heraus, dass die Evolution dieser beiden Organe – Zirbeldrüse und Scheitelauge – durchaus komplizierter ist, als bisher angenommen. Wir denken, dass Eidechsen eine besondere Stellung bei der Entwicklung der Augen einnehmen und daher nicht – wie bisher – als Modellorganismen für andere Wirbeltiere dienen sollten.“

Kontakt:
Dr. Krister T. Smith
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
Abteilung: Messelforschung und Mammalogie
Tel. 069-75 42 12 18
krister.smith@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069-75 42 14 34
pressestelle@senckenberg.de

Publikation:
Krister T. Smith, Bhart-Anjan S. Bhullar, Gunther Köhler & Jörg Habersetzer (2018): The Only Known Jawed Vertebrate with Four Eyes and the Bauplan of the Pineal Complex. Current Biology, DOI https://doi.org/10.1016/j.cub.2018.02.021

Aussender:
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Senckenberg Pressestelle
Senckenberganlage 25 
60325 Frankfurt am Main

Sabine Wendler
Telefon: 069-7542-1818
Fax: 069-7542-1801
sabine.wendler@senckenberg.de
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