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Sonntag, 13. August 2006

Archiv Zitate

von Heiko Wruck
#DOSSIER Zitate „SOZIALES“
Stand: 3. Januar 2019
Hier ist eine Sammlung entsprechender Zitate.


„Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren - bis zur letzten Patrone.“ Horst Seehofer, bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef 2011 auf dem politischen Aschermittwoch

„Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft.“ Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), 2001

„Mindestlohn ist DDR pur ohne Mauer.“ Parteivorsitzender Guido Westerwelle (FDP), 2008

„Wenn man sich das anschaut, ist das kleinste Problem von Hartz-IV-Empfängern das Untergewicht.“ Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), 2008

„Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“ Vorsitzender der Jungen Union, Phillip Missfelder (CDU), 2003

„Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.“
Parteivorsitzender Kurt Beck (SPD zu einem arbeitslosen Aktivisten, 2006

„Nur weil jemand auf nur 600 Euro Altersrente kommt, muss er ja nicht arm sein.“ Franz Müntefering, SPD-Bundespolitiker und Vater der Rente mit 67 in der Süddeutschen Zeitung, 16. September 2016, im Artikel „Reden wir über Geld“

„Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, brauchen Sie keine drei Minijobs.“ Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, in einem Tweet vom 3. Juli 2017

„Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.“ Philipp Mißfelder (CDU), beim Frühschoppen eines CDU-Ortsverbandes im Februar 2009

„Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut.“ Jens Georg Spahn, CDU-Bundespolitiker, in einem Interview der Berliner Morgenpost am 10. März 2018


„Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf drohende Armut und aktive Armutsverhinderung“, sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der Rheinischen Post Düsseldorf am 14. März 2018 

„In der Unterschicht wird das Geld versoffen.“ Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), 2009

„Es darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland bekommt man als Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann den ganzen Tag im Bett liegen bleiben.“ Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU), 2006

„Wer ernsthaft glaubt, nach dem Tod 72 Jungfrauen zu bekommen, der kann nicht erwachsen sein.“ Der Anwalt eines 21-jährigen Syrien-Heimkehrers am 22. April 2015 vor dem Oberlandesgericht München zur Anwendung des Jugendstrafrechtes.

„Wenn Sie auf der Autobahn fahren und alle anderen fahren in die andere Richtung, glauben Sie vielleicht, dass das richtig ist, aber Sie machen einen Fehler.“ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, CDU, am 26. Juni 2015 in Frankfurt/Main zu den Diskussionen mit Athen über Reformen.

„Früher warst Du Rebell, wenn du eine revolutionäre Bewegung angeführt hast. Heute bist du ja schon Rebell, wenn du bei deiner Meinung bleibst.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach am 23. Juli 2015 in Bergisch Gladbach über seine Gründe, das Amt als Vorsitzender des Innenausschusses niederzulegen.

„Nun falten. Keine Schiffchen, keine Flugzeuge, keine Origamischwäne. Sondern einmal von oben nach unten falten.“ Wahlleiter Michele Marsching am 25. Juli 2015 auf dem Bundesparteitag der Piraten in Würzburg zur richtigen Falttechnik des Stimmzettels 

„Wo die Männer versagen, da ruft man nach  dem  Mann. Der Faschismus, der überall anders, überall in neuer nationaler Vermummung auftritt, weist in allen Ländern diesen einen gemeinsamen Wesenszug auf: die Sehnsucht nach dem Diktator. Die erschlafften Völker suchen nach einem Hirn, das für sie denkt, nach einem Rücken, der für sie trägt.“ Carl von Ossietzky (1889 - 1938), Deutscher Journalist, Herausgeber der „Weltbühne“ und Schriftsteller, Friedensnobelpreisträger von 1935

„Die Demokratie ist kein System zur Vermeidung von Streit, sie ist dazu da, unvermeidlichen Streit in einer zivilisierten Weise auszutragen.“ Norbert Lammert (CDU), deutscher Politiker

„Deutschland ist ein starkes Land. (...) Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das. Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, am 31. August 2015 in Berlin bei ihrer Pressekonferenz zur Flüchtlingskrise.


„Ich bedanke mich bei ihm dafür, dass er das Wort ,wunderbar' gesagt hat. Der Herr Minister hat das nicht so bös' gemeint.“ Roberto Blanco über Joachim Hermann, bayerischer Innenminister, der den Sänger bei Hart aber fair am 1. September 2017 einen ‚wunderbaren Neger‘ nannte.


„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter.“ Jean-Claude Junckers zur Bürokratie in Brüssel (1999), EPA


„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“ Jean-Claude Junckers als Eurogruppenchef zur Schuldenkrise (2011), Reuters

„Jeder weiß, welche Reformen wir brauchen, aber niemand weiß, wie wir sie einführen und danach eine Wahl gewinnen können.“ Jean-Claude Junckers zum Dilemma der Demokratie, Reuters


„Der Konvent ist angekündigt worden als die große Demokratie-Show. Ich habe noch keine dunklere Dunkelkammer gesehen als den Konvent.“ Jean-Claude Junckers zum Europäischen Verfassungskonvent, 2003, AP


„Regierungen werden wieder gebraucht. Das sind erfrischende Nachrichten für Premierminister.“ Jean-Claude Junckers zur Finanzkrise, 2008, Reuters


„Auch in der Eurokrise sieht er Chancen: Europa findet immer nur durch Krisen zu mehr Integration.“ Jean-Claude Junckers zur Eurokrise, 2012, EPA


„Wer an Europa zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen!“ Jean-Claude Junckers zuVerleihung des Friedensnobelpreises an die EU im Jahr 2012, AP

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„Das große Problem ist, dass Hitler als absolut böse dargestellt wird. Aber selbstverständlich wissen wir, dass es in der Geschichte kein Schwarz und Weiß gibt.“ März 2017: Björn Höcke, thüringischer AfD-Landeschef

„Wir [haben] das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“ September 2017: Alexander Gauland, Bundessprecher und Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion

„Was soll man denn von diesen ganzen 'Deutschland-ist-bunt'-Kampagnen halten? [...] Bunt ist auch ein Komposthaufen.“ Oktober 2016: Frauke Petry, ehemalige Sprecherin des AfD-Bundesvorstands

„Was zur Hölle ist in diesem Land los? Wieso twittert eine offizielle Polizeiseite aus NRW auf Arabisch. Meinen Sie, die barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden so zu besänftigen?“ Januar 2018: Beatrix von Storch, stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende

„Dem kleinen Halbneger (gemeint ist Noah Becker) scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären.“ Januar 2018: Jens Maier, AfD Bundestagsabgeordneter

„Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Januar 2017: Björn Höcke über das Holocaust-Denkmal in Berlin

„Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und diese nicht respektiert. Und da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen.“ Oktober 2017: Albrecht Glaser, AfD Kandidat für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten

„Ich will, dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit hat. Ich will, dass Deutschland auch eine tausendjährige Zukunft hat.“ Februar 2017: Björn Höcke; das tausendjährige Reich war eine alternative Bezeichnung des „Dritten Reiches“ durch die NS-Propaganda

„Ladet sie (Aydan Özoguz) mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“ August 2017 Alexander Gauland als AfD-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2017


„Die Bewaffnung der Grenzpolizei macht ja nur Sinn, wenn die Beamten auch die Erlaubnis haben, diese Waffen notfalls auch einzusetzen – um zu warnen, zu verletzen, oder letztlich auch um zu töten.“ November 2015: Marcus Pretzell, ehemaliger Landeschef der AfD Nordrhein-Westfalen.
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„Kinder unter Daueraufsicht, die immer nur an der Hand von Erwachsenen umhergeführt werden, gleichen Haustieren, Stalleseln, die das Leben in der Freiheit nicht mehr kennen.“ Gerald Hüther (*1951), deutscher Neurobiologe.

„Oh Jahrhundert! Oh Wissenschaften: Es ist eine Lust, zu leben.“ Ulrich von Hutten (1488 - 1523), deutscher Renaissance-Humanist, Dichter und Publizist

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Frauen:
Lazzaro Spalanzani erfand 1784 ein Verfahren zur künstlichen Befruchtung von Hunden, Fröschen und Fischen. ... „Erst 100 Jahre nach Spalanzanis Experimenten gelang die erste künstliche Befruchtung beim Menschen. 1884 injizierte der amerikanische Arzt William Pencoast einer narkotisierten Patientin, deren Mann zeugungsunfähig war, ohne ihr Wissen das Sperma seines ,schönsten' Studenten. Neun Monate später brachte die Frau ein gesundes Kind zur Welt. Der Arzt weihte den Ehemann schließlich in alles ein doch die beiden Männer beschlossen, der jungen Mutter die Wahrheit zu ersparen. Pencoasts Geheimnis blieb 25 Jahre lang unentdeckt. Erst 1909, nach Pencoasts Tod, gestand der Samenspender in einem Brief an die Medical Woldie hinterlistige Tat.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 90, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9
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Vivisektion
„Selbst im Urlaub ließen ihn (Joseph Lister) seine Studien nicht los. ... Bei einer Reise ins Seebad Torquay fing er im Ärmelkanal einen Seestern. Er schlitzte das Tier auf und beobachtete begeistert die sonderbaren geometrischen Formen, die sich ihm unter dem Mikroskop darboten. Stolz schrieb er an seinen Vater: ,Ich sah sogar eine Herzklappe ... , die sich mit jedem Pulsschlag öffnete und wieder schloss.'“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 87 -88, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9

Vivisektion, vivisezieren – Eingriff am lebenden Tier zu Forschungszwecken: „Dazu setzte er seine Frösche unterschiedlichen Reizstoffen aus. Zunächst benetzte er die Schwimmhäute mit warmem, dann mit heißem und schließlich mit kochendem Wasser. Danach behandelte er sie mit Chloroform, Senf, Crotonöl und Essigsäure nd fügte ihnen mit Pinzetten und Skalpellen kleine Verletzungen zu. Nach jedem Versuch maß ermit dem Okularmikrometer den Durchmesser der Blutgefäße. Im Vordergrund des Experiments stand die Frage, welche Rolle das zentrale Nervensystem bei Entzündungen spielt. Um dies zu klären, vivisezierte Lister einen großen Frosch und entfernte das Hirn, ohne das Rückenmark des armen Tieres zu verletzen.“ (Es sollte herausgefunden werden, wie Entzündungen entstehen.) Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 135, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9

„Das Aufschneiden von lebenden Tieren zu Forschungszwecken hatte in Großbritannien eine lange Tradition. 1664 fesselte Robert Hook - Gründungsmitglied der Royal Society und ein Pionier der mikroskopischen Forschung - einen Straßenhund mit Gurten an seinen Labortisch. und schlitze dem verängstigten Tier den Thorax auf, weil er sehen wollte, was in der Brusthöhle beim Atmen passierte. Hook hatte jedoch nicht bedacht, dass die Atemmuskulatur nicht in der Lunge, sondern im Zwerchfell sitzt. Da er dieses durchtrennthatte, konnte das Tier nicht mehr selbstständig atmen. Um den Hund am Leben zu erhalten, schob ihm Hookin hölzernes Röhrchen über die Schnauze in die Luftröhre. Über eine Stunde lang pumpte er mit einem Blasebalg Luft in die Lunge und beobachtete, wie sich das Organ mit jedem künstlichen Atemzug ausdehnte und wieder zusammenzog. Die ganze Zeit starrte ihn der Hund, der weder bellen noch vor Schmerz winseln konnte, mit aufgerissenen Augen an.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 135 - 136, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9


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Öffentliche Sektionen (sezieren)
„Voyeristische Sensationsgier war nicht neu in der Medizin. Sie begann in den schummrigen anatomischen Theatern der Renaissance, wo die Leichen hingerichteter Verbrecher seziert wurden, um sie zusätzlich für ihre Übeltaten zu bestrafen. Das begeisterte Publikum sah gebannt zu,wie der Anatom die aufgeblähten Bäuche verwesender Leichname aufschnitt, aus denen Blut und stinkender Eiter quoll. Manchmal wurde das makabere Schauspiel von lieblicher Flötenmusik begleitet. Öffentliche Sektionen waren Theateraufführungen, eine ebenso beliebte Form der Unterhaltung wie Bearbeiting oder Hahnenkämpfe.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 10, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9


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Hygiene
„Der fleckige Holztisch in der Mitte war übersät mit den Spuren früherer Schlachtorgien. Sägespäne auf dem Boden sollten das Blut aufsaugen, das in Kürze aus dem abgetrennten Bein strömen würde. Meistens übertönten die grauenhaften Schmerzensschreie der wehrlosen Patienten die hereindringenden Straßengeräusche: Kinderlachen, Passantengespräche, vorbeirumpelnde Kutschen.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 11, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9


„Die Chirurgen der damaligen Zeit trugen blutverkrustete Kittel, wuschen sich nur selten die Hände, arbeiteten mit unsauberen Instrumenten und brachten den unverwechselbaren Gestank von verfaultem Fleisch mit in den Saal, den die Ärzte fröhlich als den ,guten, alten Krankenhausmief' bezeichneten.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 11, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9


„Der Operationssaal war ein Tor zum Tod. Es war sicherer, sich in den eigenen vier Wänden operieren zu lassen, als in einem Krankenhaus, wo die Mortalität drei- bis fünfmal so hoch war wie in der häuslichen Umgebung.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 11 - 12, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9

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Narkose
„Die Nachricht von dem geheimnisvollen Mittel, das den Patienten während der Operation in Bewusstlosigkeit versetzte, verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und Chirurgen auf der ganzen Welt machten sich begeistert daran, die Wirksamkeit von Äther an ihren eigenen Patienten auszuprobieren.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 14, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9


„Mit seinen 1,88 Metern war Liston zwanzig Zentimeter größer als der britische Durchschnittsmann. Rohe Gewalt und Schnelligkeit waren seine Markenzeichen, beides unerlässlich, um in der damaligen Zeit die Überlebenschancen des Patienten zu erhöhen. Wer bei seinen Operationen zusah, lief Gefahr, das Entscheidende zu verpassen, wenn er auch nur einen winzigen Moment den Blick abwandte. Seine Kollegen sagten über seine Amputationen: ,Dem Aufblitzen des Messers folgte so unverzüglich das Geräusch der Säge, dass es fast so schien, als geschähe beides gleichzeitig.' Angeblich hatte er so viel Kraft in der linken Hand, dass er sie als Tourinquet einsetzte, um das Blut zu stauen, während er mit der rechten Hand das Messer schwang. Das erforderte nicht nur Muskelkraft, sondern auch großes Geschick da sich viele Patienten aus Angst vor den Schmerzen heftig gegen die Messerattacke des Chirurgen wehrten. Liston konnte ein Bein in weniger als dreißig Sekunden mputieren, und damit er bei der Arbeit beide Hände frei hatte, klemmte er sich das blutige Messer mit Vorliebe zwischen die Zähne.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 17, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9


„Aber Listons Schnelligkeit war nicht immer ein Segen. Einmal schnitt er einemPatienten versehentlich nicht nur das Bein ab, sondern auch einen Hoden. Sein berühmtestes (allerdings nicht eindeutig belegtes) Missgeschick unterlief ihm, als er während einer Operation so rasant das Messer schwang, dass er einem Assistenten drei Finger abtrennte und einem dabeistehenden Zuschauer den Rock aufschlitzte. Der unglückliche Zuschauer erlitt vor Ort einen tödlichen Schreck Assistent und Patient starben später an Wundbrand. Es handelt sich um die einzige Operation in der Medizingeschichte mit einer Mortalität von dreihundert Prozent.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 17, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9


„Einmal nahm ein Patient dem ein Blasenstein entfernt werden sollte, kurz vor dem Eingriff Reißaus und schloss sich im Waschraum ein. Liston rannte ihm hinterher, brach die Tür auf und zerrte den Schreienden zurück in den Operationssaal. Nachdem er den Mann an den Tisch fixiert hatte, führte er ihm ein gebogenes Metallrohr in den Penis ein und schob es durch die Harnröhre in die Blase Dan drang er mit dem Finger ins Rektum ein und tastete nach dem Stein. Als er ihn gefunden hatte, zog sein Assistent das Metallrohr heraus und ersetzte es durch einen Holzstab. Dieser diente dem Chirurgen als Orientierungshilfe damit er beim Schneiden in die Blaseweder Rektum noch innere Organe verletzte. Als der Stab richtig positioniert war, schnitt Liston diagonal durch den Dammmuskel, bis er auf den Holzstab stieß. Dann dehnte er die Öffnung mit einer Sondeobei die Prostata aufriss. Der Holzstab wurde herausgezogen, und Liston holte den Stein mit einer Zange aus der Blase. All das erledigte Liston, der den Beinamen ,das schnellste Messer im West End' trug, in unter sechzig Sekunden.“ Quelle: „Der Horror der frühen Medizin“ - Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner, Seite 19, von Lindsey Fritzharris, Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 978-3-518-46886-9






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