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Donnerstag, 15. Dezember 2011

Insekten und Sex

Kindgerechter evolutionärer Rotlichtbezirk
Redaktion: Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dieser Beitrag kann im vollen Umfang kostenlos genutzt werden.
Pressemitteilung
Jena/gc. Die Bilder in der neuen Ausstellung des Phyletischen Museums der Universität Jena würden als Akte oder gar Pornos bezeichnet werden, wenn Menschen darauf abgebildet wären. Doch Deutschlands einziges Evolutionsmuseum widmet sich ab dem 16. Dezember nicht menschlichem, sondern tierischem Sex.


„Insekten & Sex“ heißt die neue Sonderausstellung, in der zahlreiche Bilder und Exponate in die Vielfalt der Geschlechtsorgane, ihre Entwicklung und ihre Aufgaben einführen – und dies auf eine ästhetische Weise, so dass der evolutionäre Rotlichtbezirk auch für Kinder geeignet ist.

Den Insekten geht es nicht anders als vielen Menschen: Fast alle investieren viel Zeit und Energie, um den richtigen Partner zu finden und sich zu paaren und fortzupflanzen. Einfacher machen es sich allerdings einige Blattlausarten, denn sie verzichten zeitweise auf all die mit Sex verbundenen Mühen und praktizieren Jungfernzeugung.

Doch Sex ist erfolgreich und für die Evolution äußert wichtig. „Durch Sex werden genetische Merkmale laufend neu kombiniert. Das ist wahrscheinlich der entscheidende Vorteil in einer Welt, in der sich die Lebensbedingungen ständig verändern“, erläutert Dr. Gunnar Brehm, der die Ausstellung gemeinsam mit PD Dr. Hans Pohl und Prof. Dr. Rolf Beutel konzipiert hat.

Wie in der mit Abstand artenreichsten Tiergruppe zu erwarten, sind die Praktiken der Fortpflanzung bei Insekten sehr vielfältig.

Gladiatoren paaren sich drei Tage lang, während Bienen nur für wenige Sekunden Sex in der Luft haben. Unter Wasser treffen sich die Wasserkäfer zum Rendezvous, wobei die Weibchen gelegentlich ertrinken. Die Weibchen der Fächerflügler werden in ihren „Hals“ begattet, weil der Hinterleib der parasitisch lebenden Tiere im Wirt verborgen ist. Libellenmännchen haben ein sekundäres Kopulationsorgan entwickelt, mit dem sie die Weibchen befruchten. Bei Schmetterlingen verhindert das Schlüssel-Schloss-Prinzip, dass sich artfremde Tiere paaren. Es kommt aber dennoch gelegentlich vor, dass Hybriden entstehen.

Bevor es aber überhaupt zur Paarung kommt, wählen die Weibchen ihre Partner sorgfältig aus: Monarchfaltermännchen müssen beispielsweise erst giftige Alkaloide aufnehmen, um akzeptiert zu werden. „Manche Käfer und Fliegen haben sogar Geweihe ausgebildet, mit denen sie um die Gunst der Damenwelt kämpfen“, erklärt Dr. Frank Hünefeld, der am Phyletischen Museum die Evolution der Geschlechtsorgane von Insekten erforscht, gefördert von der VolkswagenStiftung.

Eine Vitrine in der neuen Sonderausstellung widmet sich den Forschungsmethoden, mit denen die äußeren und inneren Strukturen der Sechsbeiner aufgeklärt werden – vom Lichtmikroskop bis zur Computertomographie. Und auch über das Sexualleben der verwandten Tausendfüßer und Spinnentiere können die Besucher anschaulich Neues erfahren.

Die Ausstellung „Insekten & Sex“ ist bis zum Herbst 2012 zu sehen. Das Phyletische Museum, Vor dem Neutor 1 in Jena, ist täglich von 9 -16.30 Uhr geöffnet, außer am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar 2012 (www.phyletisches-museum.uni-jena.de).

Die Vernissage zur neuen Ausstellung findet am Freitag, 16. Dezember 2011, um 18 Uhr statt.

Kontakt:
Dr. Gunnar Brehm
Phyletisches Museum der Universität Jena
Vor dem Neutor 1
07743 Jena
Tel.: 03641-949184
gunnar.brehm@uni-jena.de

Bildunterschrift:
Maikäfer bei der Paarung und Monarchen bei der Balz -  Männchen mit Duftpinseln (oben) und Weibchen unten. Fotos: Hans Pohl und Gunnar Brehm/FSU

Aussender:
Axel Burchardt M.A.
Leiter Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Pressesprecher der
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641-931031
axel.burchardt@uni-jena.de
www.uni-jena.de
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