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Samstag, 4. August 2012

Katastrophale Situation

Südsudan: Neue Erhebungen in Flüchtlingslagern
Redaktion: Ärzte ohne Grenzen
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Pressemitteilung
Juba/gc. Neue epidemiologische Daten der medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen aus zwei Flüchtlingslagern im Südsudan zeigen, dass die Sterblichkeits- und Mangelernährungsraten weit über dem Schwellenwert einer akuten Krisensituation liegen.

„Die Zahl der Kinder, die im Flüchtlingslager Yida sterben, ist erschreckend. Auch die 1.200 akut mangelernährten Kinder, die wir in unserem Ernährungsprogramm im Lager Batil behandeln, sind nur die Spitze des Eisberges“, berichtet André Heller-Pérache, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen. Jedes dritte Kind dort ist mangelernährt. Im Lager Yida sterben seit Juni durchschnittlich fünf Kinder pro Tag.

Mehr als 170.000 Flüchtlinge haben bisher den Weg über die Grenze auf sich genommen, um vor dem Konflikt und der Nahrungsmittelunsicherheit in den sudanesischen Bundesstaaten Blue Nile und Süd-Kordofan zu fliehen. Viele waren wochenlang unterwegs und haben die vier Flüchtlingslager im Südsudan in extrem geschwächtem Zustand erreicht.

„Der Großteil unserer Patienten in den Lagern Yida und Batil sind mangelernährte Kinder, die von Durchfall, Malaria und Infektionen der Atemwege weiter geschwächt werden. Sie geraten schnell in einen Teufelskreis von Krankheiten, der zu weiteren Komplikationen und zum Tod führen kann. Unsere medizinischen Teams arbeiten rund um die Uhr und versuchen, möglichst viele Leben zu retten“, sagt André Heller-Pérache.

Im Lager Yida (Bundesstaat Unity), in dem derzeit 55.000 Flüchtlinge leben, zeigt eine aktuelle epidemiologische Erhebung von Ärzte ohne Grenzen in den Monaten Juni und Juli eine Sterblichkeitsrate der unter Fünfjährigen von vier Toten pro 10.000 Kindern. Dieser Wert ist das Doppelte des Schwellenwerts, ab dem von einer akuten Krisensituation gesprochen wird. Die erhobene Rate zeigt, dass in dieser Periode mindestens fünf Kinder pro Tag gestorben sind, die meisten von ihnen an Durchfallerkrankungen und akuten Infektionen. Auch die Sterblichkeitsrate bei Erwachsenen liegt mit täglich zwei Toten pro 10.000 Menschen über dem Schwellenwert.

Im Lager Batil (Bundesstaat Upper Nile), in dem derzeit 34.000 Menschen leben, zeigen die vorläufigen Ergebnisse einer anderen Studie von Ärzte ohne Grenzen eine Mangelernährungsrate bei Kindern von 27,7 Prozent. Die Rate schwerer akuter Mangelernährung liegt bei rund 10 Prozent. Das ist das Fünffache des Schwellenwerts für akute Krisen. Noch weitaus schlimmer ist der Wert der Kinder unter zwei Jahren: 44 Prozent von ihnen sind mangelernährt, davon 18 Prozent schwer. Auch die Sterblichkeitsrate der unter Fünfjährigen liegt über dem Schwellenwert.

„Mit der Regenzeit haben sich die Lager für die Flüchtlinge in einen Albtraum verwandelt“, sagt Bart Janssens, Leiter der Projekte in Brüssel.

„Die Zugangsstraßen sind kaum passierbar und die Teams haben Mühe, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Menschen leben können. Wenn wir vermeiden wollen, dass noch viel mehr Kinder lebensbedrohlich erkranken, müssen humanitäre Akteure ihre Hilfe ausbauen - besonders im Wasser- und Sanitärbereich, da Durchfall die häufigste Todesursache in den Lagern ist. In dieser Situation müssen alle Organisationen im Notfall-Modus arbeiten.“

Ärzte ohne Grenzen ist der größte Gesundheitsversorger in allen vier Flüchtlingslagern in den Bundesstaaten Upper Nile und Unity und betreibt ein umfassendes Hilfsprogramm. Im Lager Yida wurde die Zahl der Krankenhausbetten verdoppelt. Insgesamt hat die Organisation in den Flüchtlingslagern im Südsudan allein mehr als 180 internationale Mitarbeiter und wird die Teams weiter aufstocken.

Weitere Informationen:
Christiane Winje
Tel.: 030-700 130 240

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