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Freitag, 31. Mai 2013

Jobs ohne Befristung

Für viele Jungakademiker nur ein Traum
Redaktion: Deutsches Statistisches Bundesamt
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PRESSEMITTEILUNG
Wiesbaden/gc.  Im Jahr 2011 hatten an deutschen Hochschulen 80,0 Prozent der dort beschäftigten 25- bis 29-jährigen Akademiker einen befristeten Arbeitsvertrag. Damit ist der wissenschaftliche Nachwuchs an Hochschulen deutlich häufiger befristet beschäftigt als andere Erwerbstätige in diesem Alter.

29,0 Prozent der jungen Akademiker insgesamt hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) einen Zeitvertrag. Im Durchschnitt aller Erwerbstätigen dieser Altersgruppe lag die Befristungsquote bei 17,2 Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass für Wissenschaftler an Universitäten, die noch nicht den Sprung zur Professur geschafft haben, spezielle Befristungsregelungen gelten.

Die Beschäftigung über Zeitverträge ist von Branche zu Branche unterschiedlich: So betrug beispielsweise die Befristungsquote der 25- bis 29-jährigen Akademiker bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern gerade einmal 7,0 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe lag sie bei 11,4 Prozent und in der öffentlichen Verwaltung bei 29,2 Prozent.

Immer noch gilt: Ein Studium ist der beste Schutz vor Erwerbslosigkeit. Gerade einmal gut zwei Prozent der Akademiker waren 2011 erwerbslos. Dennoch beginnen auch hochqualifizierte Arbeitnehmer ihr Berufsleben häufig mit Zeitverträgen, bevor sie in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis wechseln können.

Unter Akademikern besonders von Befristung betroffen ist der wissenschaftliche Nachwuchs an deutschen Hochschulen. Von den 25- bis 29-Jährigen waren dort deutlich mehr Personen befristet beschäftigt als im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Auch bei älteren Beschäftigten im Hochschulbereich sind die Anteile befristeter Arbeitsverträge überdurchschnittlich hoch. Befristung ist für die Betroffenen oftmals mit Unsicherheit verbunden und kann eine längerfristige Lebensplanung behindern.

17,2 Prozent der jungen Erwerbstätigen
zwischen 25 und 29 Jahren mit Zeitvertrag

Nach Ergebnissen des Mikrozensus hatten in Deutschland im Jahr 2011 etwa 2,8 Millionen (8,9 Prozent) der insgesamt 31,6 Millionen abhängig Beschäftigten einen befristeten Arbeitsvertrag. Die Befristungsquote liegt damit bereits seit dem Jahr 2005 stabil im Bereich zwischen 8 und 9 Prozent der abhängig Beschäftigten. Diese Angaben beziehen sich auf „Kernerwerbstätige“, das sind abhängig erwerbstätige Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, ohne Auszubildende sowie ohne Schülerinnen, Schüler und Studierende mit Nebenjob. Vor allem die jüngeren Altersjahrgänge arbeiten überdurchschnittlich oft auf Zeitvertragsbasis. So waren 17,2 Prozent der abhängig Erwerbstätigen im Alter von 25 bis 29 Jahren von Befristung betroffen, bei den 30- bis 34-Jährigen waren es 12,0 Prozent.

Akademiker häufiger betroffen
als Personen mit mittlerem Abschluss

Befristung als eine Form atypischer Beschäftigung wird zuweilen mit Tätigkeiten in Verbindung gebracht, die mit einer niedrigen schulischen und beruflichen Ausbildung einhergehen. Tatsächlich nimmt der Anteil befristeter Beschäftigung mit steigendem Qualifikationsniveau zunächst tendenziell ab. Während von Personen, die lediglich über eine Anlernausbildung verfügten, 11,1 Prozent befristet beschäftigt waren, nahm der Befristungsanteil hin zu Personen mit Meister-/Technikerausbildung bis auf 5,7 Prozent ab. Bei Personen mit akademischem Berufsausbildungsabschluss kehrt sich diese Tendenz jedoch wieder um. Mit 10,3 Prozent lag der Anteil der Akademiker in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis im Jahr 2011 etwas über dem Durchschnitt.

Massive Befristung an den Hochschulen  ...

Junge Akademiker erhalten beim Einstieg ins Berufsleben oft nur einen Zeitvertrag. Von den 25- bis 29-jährigen Erwerbstätigen mit akademischer Ausbildung waren im Jahr 2011 29,0 Prozent befristet beschäftigt. Im Durchschnitt aller Erwerbstätigen dieser Altersgruppe lag die Befristungsquote deutlich niedriger (17,2 Prozent), was vermutlich auch mit dem späteren Eintritt von Akademikern in den Arbeitsmarkt zusammenhängt. Die Beschäftigung über Zeitverträge ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Besonders an Hochschulen ist Befristung weit verbreitet: 80,0 Prozent der dort beschäftigten 25- bis 29-Jährigen mit akademischem Abschluss hatten nur befristete Arbeitsverhältnisse. Dagegen betrug beispielsweise im Wirtschaftsabschnitt „Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen“ die Befristungsquote der 25- bis 29-jährigen Akademiker gerade einmal 7,0 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe lag sie bei 11,4 Prozent. Im Bereich der öffentlichen Verwaltung (29,2 Prozent) und im Gesundheitswesen (59,5 Prozent) werden den akademischen Nachwuchskräften dagegen deutlich häufiger nur befristete Verträge angeboten.

... setzt sich auch im höheren Alter fort

Die Befristungsquote blieb bei den 30- bis 34-jährigen Wissenschaftlern an Hochschulen mit 70,7 Prozent weiterhin sehr hoch. Auch in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen hatte immer noch mehr als die Hälfte (59,1 Prozent) der Nachwuchswissenschaftler einen Zeitvertrag. Dabei ist zu berücksichtigen, dass für Wissenschaftler an Universitäten, die noch nicht den Sprung zur Professur geschafft haben, nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz spezielle Befristungsregelungen gelten.

Anders als im Hochschulbereich erhalten Jungakademiker in vielen anderen Branchen nach anfänglicher Befristung offenbar in überschaubarem Zeitraum eine Dauerstelle. So waren von den 30- bis 34-Jährigen bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern nur noch 5,3 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe 7,1 Prozent befristet tätig. Im Bereich der öffentlichen Verwaltung lag die Befristungsquote für 30- bis 34-Jährige bei 13,8 Prozent. Im Gesundheitswesen waren in der gleichen Altersgruppe allerdings 48,2 Prozent ohne Dauervertrag.

Kürzere Zeitverträge in der Wirtschaft,
längere in der Wissenschaft

Für zwei Drittel der befristet Beschäftigten insgesamt betrug die Befristungsdauer ein Jahr und weniger; Zeitverträge mit längerer Befristung kamen seltener vor. Befristet Beschäftigte mit akademischer Ausbildung hatten in 42,2 Prozent der Fälle Verträge mit einer Laufzeit von unter einem Jahr, in 28,7 Prozent der Fälle Verträge mit Laufzeiten zwischen einem und zwei Jahren. Bei Wissenschaftlern an Hochschulen dominierten dagegen mit 46,6 Prozent Zeitverträge mit einer Dauer von mehr als zwei Jahren. 22,4 Prozent der Zeitverträge waren für einen Zeitraum von ein bis unter zwei Jahren begrenzt, „kurze“ Verträge mit einer Befristungsdauer von bis zu einem Jahr hatten hier 30,9 Prozent.

Dauerstellen bevorzugt

Die am häufigsten genannten Gründe für befristete Beschäftigungen, und zwar gleichgültig ob es sich um Personen mit oder ohne akademische Ausbildung handelt und unabhängig davon, in welcher Branche die Beschäftigung ausgeübt wird, sind, dass eine Dauerstellung nicht zu finden war beziehungweise „sonstige Gründe“. Befristete Arbeitsverhältnisse gehören also nicht zum Wunschprogramm insbesondere bei den jüngeren Leuten, die am Anfang ihres Berufslebens stehen. Nur ein geringer Teil der Akademiker entscheidet sich bewusst für ein befristetes Arbeitsverhältnis: 2011 gaben 2,9 Prozent der Befragten an, dass sie eine Dauerstellung nicht wünschen.

Viele Unternehmen begnügen sich offensichtlich nicht mehr mit der üblichen Probezeit von drei bis sechs Monaten bis sie einen jungen Angestellten übernehmen. Sie schließen stattdessen befristete Verträge ab. Mittlerweile betrachten 37,6 Prozent der Befragten, die Angaben zu dem Grund für die Befristung ihrer Tätigkeit machten, ihren Zeitvertrag als Probearbeitsvertrag. Bei befristet beschäftigten Akademikern beträgt der entsprechende Anteil 25,4 Prozent.

Autoren:
Petra Kucera
Andreas Grau

Weitere Auskünfte: 
Andreas Grau
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