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Dienstag, 29. Oktober 2013

Eine andere Welt ist möglich

Venezuelas Botschafter in Schwerin
von Jörg Schröder und Torsten Müller
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BERICHT
Schwerin/gc. Unter dem Motto „Venezuela nach Chávez“ fand am Sonnabend, 26. Oktober 2013, eine Veranstaltung  im „Eiskristall“, dem Stadtteiltreff des Vereins „Die Platte lebt“, am Berliner Platz in Schwerin statt. Zu Gast: der Botschafter der Bolivarischen Republik Venezuela, Rodrigo Chaves.

Die Neugier der über 40 Teilnehmer, einiges über Venezuela und seine Entwicklung vor und nach dem Tod des charismatischen Präsidenten Hugo Chávez zu erfahren, sollte nicht enttäuscht werden.

Nach der Begrüßung durch Dr. Jörg Schröder von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern und Torsten Müller von der Projektwerkstatt „Buntes Q“ Schwerin kam der Botschafter zu Wort. Der frühere Chirurg wurde als glühender Anhänger von Hugo Chávez, nach dessen erstem Wahlsieg im Jahre 1998 sofort eingebunden in verantwortliche Tätigkeiten der neuen Regierung. Unter anderem war er Generalkoordinator im Gesundheitsbereich, arbeitete in einem Projekt zur Schaffung eines Netzes von Radios und Zeitungen für Gemeinschaften, um sie zu befähigen, ihr Schicksal selbstbestimmt und mitverantwortlich in die Hand zu nehmen. Rodrigo Chaves war Sprecher für die sozialen Bewegungen des bolivarischen Prozesses beim Weltsozialforum in Porto Alegre, und er wurde schließlich Botschafter der Bolivarischen Republik Venezuela in Italien, Griechenland und seit 2012 in Deutschland.

So kam das, was Chaves an diesem Nachmittag in Schwerin über Erfolge und Schwierigkeiten der alten und neuen Regierung erzählte, aus berufenem Munde. Insgesamt legte der Botschafter dem Publikum eine ökonomische und politische Bilanz seines Landes in einer bei hiesigen Politikern eher ungewohnten Offenheit vor. Er sprach von den Erfolgen der Chavez-Regierung, wie zum Beispiel eine neue Verfassung, die nach einjähriger Diskussion der Bevölkerung und Einarbeitung ihrer Vorschläge verabschiedet wurde, die erfolgreiche Alphabetisierung, die Einführung eines kostenlosen Gesundheits- und Bildungswesens und die Anstrengungen, südamerikanischer Länder einander anzunähern und miteinander in verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Zusammenschlüssen enger miteinander zu kooperieren. Andererseits stellte er zum Erstaunen des Publikums aber auch schonungslos dar, welchen Schwierigkeiten das Land heute gegenüber steht. So ist die Haupteinnahmequelle des Landes nach wie vor das Erdöl, aus der die sozialen Errungenschaften für die Bevölkerung finanziert werden und gleichzeitig dafür sorgt, dass die eine eigene Industrie, die das Land unabhängiger von teuren Importen macht, nicht so recht in Gang kommt.

Der verstorbene Präsident Hugo Chávez hinterlässt eine große Lücke. Die Opposition wittert Morgenluft. Der zukünftige Erfolg der Regierung hinge davon ab, inwieweit die Bevölkerung auch unter dem neuen Präsidenten, insbesondere durch die Weiterentwicklung  einer „Demokratie von unten“ auf die eigenen Kräfte baut.

Das Publikum war begeistert von Vortrag und Stellungnahme des Botschafters. Angeregt weiter diskutierend ließen sie sich anschließend bei südamerikanischen Klängen die Chili con Carne oder con Tofu oder einen Cuba Libre schmecken.

Einige Teilnehmer hatten den Wunsch, den widersprüchlichen und vielfältig anregenden Prozess in Venezuela auch in Schwerin transparenter zu machen. So versprach Botschafter Rodrigo Chaves, erneut nach Schwerin zu kommen.

Bildunterschrift:
Venezuelas Botschafter Rodrigo Chaves besuchte jenseits des Polit-Mainstreams Mecklenburg-Vorpomerns Landeshauptstadt Schwerin und sprach im Stadtteiltreff „Eiskristall“. Foto: Verein
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