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Dienstag, 19. August 2014

Zwei fast vergessene Tage

Paneuropäisches Picknick veränderte die Welt
von Heiko Wruck
BERICHT
Lassahn/gc. Für anfangs nur drei Stunden bekam der Eiserne Vorhang heute vor 25 Jahren am 19. August 1989 ein Loch – an der alten Pressburger Landstraße zwischen Sankt Margarethen im österreichischen Burgenland und Sopronkőhida (Steinambrückl) in Ungarn. Was dann passierte, veränderte die Welt.

Bereits am 27. Juni 1989 bekam der Eiserne Vorhang erste Risse. Der inzwischen verstorbene Gyula Horn hatte als damaliger ungarischer Außenminister an der ungarisch-österreichischen Grenze gemeinsam mit Österreichs Außenminister Alois Mock symbolisch den Grenzzaun zwischen Ost- und Westeuropa zerschnitten. So leiteten sie vor 25 Jahren den Mauerfall und damit auch den Niedergang der DDR ein.



Während dieses Ereignis heute im öffentlichen Bewusstsein eher zurücktritt, machte der 19. August 1989 Furore. Mitglieder des oppositionellen ungarischen Demokratischen Forums und die Paneuropa-Union hatten an diesem Tag zu einem Paneuropäisches Picknick eingeladen. Die dadurch entstandene dreistündige Grenzöffnung nutzten rund 700 DDR-Bürger zur Flucht. Zuvor waren sie durch Flugblätter der Veranstalter auf das Paneuropäische Picknick aufmerksam gemacht worden. Auf österreichischer Seite hatten sich Journalisten und ein Kamerateam eingefunden. So ging die Nachricht in Windeseile um die Welt.



Diese Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Auch für Mecklenburg-Vorpommern öffnete sich dadurch die Welt. Plötzlich verlor die Trennlinie zwischen den verfeindeten Wirtschaftssystemen, die Nahtstelle des Kalten Krieges zwischen NATO und Warschauer Vertrag rasant an Bedeutung. Heute erinnern nur noch Schilder an die historischen Gegebenheiten, und die einst militärisch bewachte Grenze verbindet befreundete EU-Mitglieder.


Je jünger die Nachwendegeneration ist, umso selbstverständlicher ist diese offene Grenze für sie heute. Nicht ihre Existenz, aber ihr Ende verlief unblutig. Ein glücklicher Umstand, der heute längst keine Normalität ist. Zu Hunderten ertrinken Menschen Jahr für Jahr im Mittelmeer auf ihrer Flucht nach Europa. Sie sterben an der Grenze Mexikos zu den USA, sie werden getötet in der Ukraine, in Syrien, in Gaza und Israel. Wenn es ein Vermächtnis dieser einstigen deutsch-deutschen Grenze gibt, dann vielleicht jenes, dass kein Mensch illegal ist. Egal beim wem auf der Welt er Schutz sucht, egal wohin er flüchtet.



Wie die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern die Wende erlebten und was aus ihnen wurde, erfahren Sie in drei kleinen Artikeln in den nächsten drei Tagen im German Circle. Lesen Sie, wie sie Chancen nutzten und und heute mit ihren Entscheidungen zurecht kommen.

Bildunterschrift 1:
Grenzsicherungssanlage in Schlagsdorf: Der signalgebende Elektrozaun mit Übersteigschutz sollte schon früh Durchbruchsversuche melden. Die Signale liefen in der Führungsstelle auf, die sich im Beobachtungsturm befanden. Dort war eine Alarmgruppe stationiert, die das Gelände abriegelte. Foto: Heiko Wruck

Bildunterschrift 2:
So sah es aus, das Selbstschussgerät SM 70, das das Übersteigen des Streckmetallzaunes verhindern sollte. Foto: Karl-Heinz Laube/pixelio.de

Bildunterschrift 3:
DDR-Grenzsäule, böse Falle: Sie markierte nicht den Grenzverlauf, wohl aber das den Grenzsicherungsanlagen vorgelagerte DDR-Hoheitsgebiet. Wer sich hier bereits im Westen wähnte, lag falsch. Foto: Martin Berk/pixelio.de

Bildunterschrift 4:
An solchen Kreuzpunkten auf den Grenzsteinen teilte sich Deutschland in Ost und West. Foto: Heiko Wruck

Bildunterschrift 5:
Mit solchen Hinweisen und Grenzstäben markierte die BRD ihre Grenze zur Deutschen Demokratischen Republik. Foto: Lisa Spreckelmeyer/pixelio.de

Kontakt:
heiko@wruck.org
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