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Mittwoch, 9. November 2016

Allein im Landkreis Ludwigslust-Parchim

20.300 Frauen in „atypischer Beschäftigung“
Redaktion: IG Bau Mecklenburg-Vorpommern
PRESSEMITTEILUNG
Rostock/gc. Unsichere Jobs sind meist Frauensache. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim arbeiteten Ende letzten Jahres rund 20.300 Frauen in Teilzeit, Mini-Job oder Leiharbeit. Damit machten sie 70 Prozent der „atypischen Beschäftigung“ aus.


Das zeigt eine gleichnamige Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mitteilt und zugleich warnt vor einer zunehmenden Altersarmut für Frauen: „Prekäre Jobs führen zu niedrigeren Rentenansprüchen.“ Dabei seien Zeiten der Schwangerschaft oder Kindererziehung noch nicht einmal berücksichtigt. „Wenn Politik und Wirtschaft nichts unternehmen, dann werden Frauen bei der Rente immer öfter zu Verliererinnen“, sagt Manfred Scharon, Bezirkschef der IG BAU Mecklenburg. Besonders besorgniserregend sei der Trend, dass Teilzeit immer mehr zum Normalarbeitsverhältnis für Frauen werde.

So gab es nach Angaben der Böckler-Studie im Kreis Ludwigslust-Parchim zuletzt 13.251 Teilzeit-Arbeiterinnen: -48 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Demgegenüber haben Ende letzten Jahres nur 2.416 Männer in Teilzeit gearbeitet. Außerdem waren mit insgesamt 6.730 Mini-Jobberinnen 54 Prozent aller geringfügig Beschäftigten im Kreis weiblich.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Rentendebatte fordert die IG BAU, die Situation der Frauen stärker in den Blick zu nehmen. „Gerade in der Gebäudereinigung, im Gartenbau und in der Floristik bekommen sie kaum Vollzeitstellen, sondern Teilzeit- oder Mini-Jobs. Die Folge ist, dass Frauen trotz jahrzehntelanger Arbeit im Alter zum Sozialamt gehen müssen“, so Gewerkschafter Scharon.

Zudem fehlten Frauen wegen Erwerbsunterbrechungen häufig mehrere Jahre an Rentenbeiträgen. Und auch nach einer Scheidung stünden viele Frauen mit leeren Händen – aber oft mit dem alleinigen Sorgerecht – da. „Die Folge davon ist eine weiter zunehmende Altersarmut bei Frauen“, ist Manfred Scharon sicher.

Unternehmen und Politik müssten deshalb gleichermaßen gegensteuern. „Statt Frauen nur für wenige Wochenstunden einzustellen, sollten Firmen vollwertige Jobs schaffen – für Frauen und Männer“. Weniger zu arbeiten, müsse eine individuelle Entscheidung sein und kein Zwang. Für Reinigungskräfte sei Vollzeit mittlerweile fast eine Seltenheit, obwohl sich das viele Beschäftigte wünschten. Eine zentrale Voraussetzung für höhere Renten sei natürlich die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, so der Gewerkschafter. Mittlerweile habe die Politik die Bedeutung von „Equal Pay“ erkannt und ein Lohngerechtigkeitsgesetz auf den Weg gebracht.

Scharon spricht von einem „Schritt in die richtige Richtung“, kritisiert jedoch, dass Beschäftigte erst in Betrieben ab 200 Mitarbeitern einen Auskunftsanspruch über die Bezahlung der Belegschaft haben. Damit greife das geplante Gesetz nur in Teilen des Handwerks und der Reinigungsbranche. Eine entscheidende Maßnahme wäre es, so die IG BAU, Phasen der Erwerbslosigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung aufzuwerten. Manfred Scharon: „Zeiten der Schwangerschaft und Erziehung müssen endlich anerkannt werden – zum Beispiel durch Extra-Rentenpunkte“.

Aussender:
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