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Donnerstag, 8. Dezember 2016

Die Uhr diktiert nur den Dienst,

... aber nicht die freie Zeit für Sebastian Knauer
von Heiko Wruck
GESPRÄCH
Schwerin/gc. Tagesbeginn mit einem Journalistenfrühstück?
Nee, wenn damit ein Kaffee und ‘ne Zigarette gemeint sind. Ich frühstücke unter der Woche eigentlich gar nicht. Meine Mutter hat mir beigebracht, nicht aus dem Haus zu gehen, ohne was Warmes getrunken zu haben. Damals noch mit Frühstück. Übrig geblieben ist die Gewohnheit, morgens wenigstens einen Kaffee zu trinken. Am Wochenende ist das anders. Da kann ich spät, lange und ausgiebig frühstücken: Es ist mehr ein Brunch, da habe ich auch die Zeit dafür.


Sollte ein Gründungsmitglied eines
Uhrenclubs nicht besser mit Zeit umgehen können?
Das ist eine Frage der Prioritäten. Der 1. Mecklenburger Uhrenclub e. V. haben wurde nicht gegründet, um Zeit zu haben oder zu messen, sondern um der Passion Uhren Raum zu geben, sie zu sammeln, zu erhalten, um mit ihnen Geschichte erlebbar zu machen und alte Handwerkskunst zu zeigen.

Das alles macht der 1. Mecklenburger Uhrenclub?
Ja, dafür organisieren die zurzeit neun Vereinsmitglieder Veranstaltungen und Initiativen. Zuletzt haben wir hier in Schwerin  im November die 5. Schweriner Uhrenbörse veranstaltet. Dort treffen sich Sammler, Fachleute und Schaulustige. Man kann besondere Uhren betrachten, kaufen, tauschen, sich beraten lassen und über Zeitmesser fachsimpeln. Im Oktober haben wir für die 2. Schweriner Shantynacht ein Benefizkonzert für Kirchturmuhren in Not organisiert.

Was reizt an den Uhren?
Bei mir war es anfangs nur das Design, wenn ich mir eine neue Uhr gekauft habe. Aber Uhren zeigen sehr viel mehr, als nur die Zeit oder das Datum. Sie sind regelrechte Zeitzeugen und repräsentieren sehr oft auch den Zeitgeist der Epoche ihrer Entstehung. Sie zeigen immer, wie die Menschen getickt haben.

Wie zeigen sie das?
Die Schwarzwälder Kuckucksuhr ist ein Symbol deutscher Romantik. Aber es gab zu der Zeit eben auch Enthauptungsuhren, Schlachteruhren, Spieluhren und Uhren, die Gesellschaftsbilder zeigten. Zum Beispiel – eine junge Frau oder ein Mädchen sitzt auf einer Gartenschaukel, die von einem schwarzen Diener bewegt wird. Eine Schlachteruhr zeigt, wie zum Stundenschlag der Metzger zum Rind geht und es schlachtet. Eine andere Uhr zeigt die biblische Szene der Enthauptung Johannes des Täufers. Ein Schwertträger schlägt ihm achtmal gegen den Hals, dann trennt er den Kopf ab und Salome präsentiert das Haupt. Diese mechanische Darstellung mit einem Zeitmesser zu verbinden, ist aus heutiger Sicht schon sehr fragwürdig. Solche Uhren waren jedoch weit verbreitet.

In welche Richtung geht die eigene Uhrenleidenschaft?
Meine Passion sind funktionierende Musikspieluhren aus der Gründerzeit und dem Jugendstil sowie besonders gestaltete Armbanduhren.

Who is Who?
Uhren zeigen auch immer, wie die Menschen ticken, sagt Sebastian Knauer und erfreut sich an Musikspieluhren aus der Gründerzeit, dem Jugendstil und an Armbanduhren.
Berufliches: 1985 - 1987 Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei in Schwerin; 1987 - 1990 Informatikstudium an der TU Otto von Guericke in Magdeburg; 1990 - 1991 in einem Fotostudio in Plau am See gearbeitet; 1991 - 1993 als freier Pressefotograf unterwegs für die Morgenpost, dann Redakteur für die Morgenpost und die Morgenpost am Sonntag; 1993 - 2008 Sportreporter bei Radio Antenne MV, dort 10 Jahre Programmdirektor; 2008 - 2009 freier Journalist; 2009 - 2011 Geschäftsführer Handball SV Post Schwerin; seit 2011 Marketingbeauftragter in der Ahnefeld-Unternehmensgruppe 
Privates: geboren 16. August 1966 in Leipzig, 1976 Umzug nach Hinzenhagen bei Krakow am See, 1985 Abitur in Güstrow, ein Sohn (23), Hobbys: Uhren, Sport, Lesen

Bildunterschrift:
Sebastian Knauer: „Es wäre schön, hätte Schwerin ein Uhrenmuseum, das auch Stücke zeigt, die in Mecklenburg-Vorpommern gebaut wurden. Denn Uhren wurden auch hier gefertigt.“ Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko Wruck@t-online.de
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