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Dienstag, 21. August 2018

Prager Frühling 1968

von Heiko Wruck
KOMMENTAR
Vor 50 Jahren gingen in der Tschechoslowakei die Menschen auf die Straße. Sie forderten Demokratie, Privatisierung, Pressefreiheit, die Einhaltung der Menschenrechte, freie Wahlen und einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Mit der Samtenen Revolution im Jahr 1989 erreichten die Kinder, was ihren Eltern 1968 noch verwehrt geblieben war. Fast 30 Jahre nach dieser samtweichen Revolution stehen tschechische Politiker für Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit, Pressezensur und Korruption. Ein Phänomen, dass sich heute in allen postkommunistischen EU-Mitgliedsstaaten zeigt und auch in westlichen Demokratien wie in Italien, Deutschland, Frankreich, Österreich oder in den Niederlanden zunehmend staatstragend wird.


Einfache Lösungen sind gefragt und werden propagiert – von Rechten und Linken gleichermaßen. Je extremer die Standpunkte, umso einfacher die vermeintlichen Lösungen. Radikalisierung und Extremismus sind jedoch keine Selbstläufer. Sie werden ersonnen, weiterentwickelt, auf den Weg gebracht, forciert und schließlich praktisch umgesetzt. Sie werden erst durch eine aktive Politik Realität. Denn auch das Gewährenlassen ist ein nur scheinbar passives Verhalten.

Doch die Proteste von einst – 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 in der ČSSR, 1982 in Polen und 1989 nicht allein nur in Rumänien – haben gezeigt, wenn eine breite Mehrheit für ihre Ziele auf die Straße geht, sogar völlig ohne Internet, dann lassen sich auch ganze Staaten zum Guten verändern.

Aber es funktioniert auch, wenn sich Gesellschaften zum Schlechten wandeln.

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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