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Montag, 18. Mai 2020

Dienstag werden wir wieder öffnen

Museum bereitet sich auf Zeit nach Lockdown vor
von Heiko Wruck
GESPRÄCH
Hagenow/gc. Henry Gawlick, Leiter des Museums für Alltagskultur Griese Gegend/Alte Synagoge Hagenow, erklärt im Gespräch, was aktuell im Musum passiert und wie der Neustart nach dem Lockdown aussieht.


Was passiert in der Museumsarbeit und wann geht’s wieder los?
Wir werden das Musum und die Synagoge am kommenden Dienstag, 19. Mai, zu den üblichen Zeiten wieder öffnen. Allerdings nicht für Gruppenbesuche, sondern für Familien, Paar- und Einzelbesucher. Das hängt einerseits mit den geltenden Vorschriften zusammen. Andererseits desinfizieren wir nach jedem Besuch die Ausstellungspfade gründlich. Das ist selbstverständlich mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Aber Besucher sind uns natürlich sehr willkommen. Es besteht jedoch Mundschutzpflicht. Das bedeutet, jeder Besucher muss seine Maske selbst mitbringen. Ansonsten haben wir in der Schließungszeit natürlich die Arbeiten erledigt, für die sonst zu wenig oder gar keine Zeit bleibt. Da konnte viel aufgearbeitet und vorbereitet werden. Konservatorische Arbeiten, Fotografie, Archiv, Bibliothek ... Langweilig war es nie. Wir haben auch noch zwei Mitarbeiter im Homeoffice. Das gilt solange wie deren Kinder nicht extern betreut werden können.

Wenn ab Dienstag der Betrieb wieder anläuft, was passiert da?
Es ist ein reiner Ausstellungsbetrieb. Es wird keine neue Ausstellung geben, sondern es werden  die Dauerausstellung und die aktuelle Fotoausstellung gezeigt. Auch auf Konzerte und Veranstaltungen müssen wir in der Corona-Pandemie verzichten.

Welche finanziellen Auswirkungen gibt es für das Museum?
Das Museum ist in den Haushalt der Stadt eingeplant. Das  bedeutet, dass auch wir Erlöse erwirtschaften müssen. Seit den Coronasperren ist das aber nicht möglich, und nach der Neueröffnung wird dies nur sehr begrenzt möglich sein. Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sein werden, diese Ausfälle zu kompensieren. Damit werden wir also noch sehr lange zu tun haben. Aber wir haben auch sehr Schönes erfahren. Coronabedingt sind ja einige Veranstaltungen leider ausgefallen oder wurde langfristig verschoben. Da hat es immer noch Menschen gegeben, die auf die Rückzahlung ihrer Veranstaltungskarten zu unseren Gunsten verzichtet haben und dies als sehr hilfreiche Spende zum Erhalt des Museums und der Synagoge angesehen haben. Dieses Entgegenkommen wissen wir sehr zu schätzen. Es zeigt, dass auch in Krisenzeiten Großherzigkeit immer noch vorhanden ist. Dafür sind wir sehr dankbar.

Wird Corona in einer eigenen Ausstellung thematisiert?
Darüber haben wir auch schon nachgedacht und rufen dazu auf, uns Fotos mit Coronabezug zu schicken. Dabei sollten ein paar Zeilen zu jedem Foto mitgeschickt werden, die das Bild erklären. Wir sind auch sehr an Zusendungen von Utensilien, zum Beispiel selbstgenähte frischgewaschene oder unbenutzte Atemasken, interessiert. Gerne nehmen wir aber auch Briefe, die das eigene Erleben der Coronazeit beschreiben, oder Tagebucheinträge, Zeitungsartikel, Dienstanweisungen und Ähnliches mit Coronabezug an. Einfach an das Museum schicken, oder in der Hagenow Information für uns abgeben.

Hat die Coronakrise eine Seuchenausstellungen inspiriert?
Hagenow hat mehrere Epidemien erlebt: Pest, Cholera, Thyphus und Tuberkulose. Auch dazu wollen wir etwas machen. Allerdings wird es noch dauern. Aus der Pestzeit ist leider kaum etwas überliefert. Zum Beispiel gab es nach dem letzten Krieg bei uns so viele Tote, dass die Särge nicht reichten und die Menschen in Papiertüten beerdigt wurden. Wasser- und Abwasseranlagen sowie Hygienestandards haben sich hier erst am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Nicht zu vergessen, auch Hagenow hatte eine Seuchenbaracke. Da gibt es noch viel zu berichten.

Bildunterschrift:
Henry Gawlick: Das Museum für Alltagskultur Griese Gegend/Alte Synagoge Hagenow bildet das regionale Leben ab. Auch deswegen werden jetzt Exponate für eine Coronadokumentation gesammelt. Saubere, desinfizierte Utensilien wie selbstgenähnte Atemmasken können dem Museum übergeben werden. Es werden aber auch persönliche Gedanken, Schriftsachen, Dienstanweisungen, Zeitungsartikel et cetera gesucht. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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