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Freitag, 15. Mai 2020

Käffchen, Eis und Kuchen, ja – Sport, nein!

MVs Fitness- und Gesundheitsbranche fordert Antworten
von Heiko Wruck
BERICHT

Hagenow/gc. Im Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich ausgerechnet die Gesundheitsarbeiter auf verlorenem Posten. So richtig nachvollziehbar ist es nicht: Ausgerechnet im Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern darf bereits wieder geschlemmt werden, aber Sport im Fitnesstudio bleibt verboten.


Dass man im Zirkeltraining, beim Spinning oder im Gymnastikraum nicht mit Mundschutz hantiert, ist klar. Aber deswegen eine ganze Branche zu sperren, entbehrt jeder Logik. Wer im Freien Sport treibt, mit oder ohne Mundschutz, hinterlässt zwangsläufig Atemwolken, die beim Radfahren oder Laufen lange Dunstfahnen bilden. Denen auszuweichen, ist kaum möglich. Doch deswegen sind weder Radeln, Walking noch Laufen verboten. Und auch beim gemütlichen Käffchen mit Eis und Kuchen muss zwangsläufig auf die Maske verzichtet werden, was die Politik nicht daran hindert, trotzdem den Restaurantbetrieb in geschlossenen Räumen zu gestatten. Nur eben nicht Sport im Fitnessstudio, obwohl dort mit Trainingsplänen und Abstandsregeln sehr viel mehr Kontrolle möglich ist. „Nachvollziehbar ist das nicht. Und Antworten bekommen wir auch nicht”, sagt Steffi Niedrich, Inhaberin des Fitness- und Gesundheitszentrums La Fit in Hagenow und Schwerin.

Es ist in der Tat nicht nachvollziehbar, warum politische Demonstrationen mit bis zu 50 Teilnehmern, Familienausflüge und Kaffeetreffs in geschlossenen Räumen stattfinden dürfen, aber Sport im Fitnessstudio nicht. Die Betreiber von Fitnesseinrichtungen sollen ihre Geschäfte nach Maßgabe der Landesregierung noch bis Mitte Juni 2020 geschlossen halten. „Dabei ist gerade Sport der Gesundheitsbringer Nummer eins“, sagt Steffi Niedrich. Die Gesundheitsunternehmerin ist verärgert. „Wir, die Unternehmer der Fitness- und Gesundheitsbranche, finden in der Politik derzeit kein Gehör. Wir haben an Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig geschrieben und um Antworten gebeten. Nichts rührt sich. Kein Antwortschreiben, keine Einladung, kein Telefonanruf. Einfach nur Schweigen im Lande. Und selbst unser Hagenower Bürgermeister hat den Weg noch nicht zu ,seinen’ Unternehmen gefunden. Jedenfalls nicht zu uns hier ins La Fit. Dabei sind wir auch für ihn sogar fußläufig zu erreichen. Die Politik lässt uns einfach im Stich“, so die Unternehmerin.

Mit ihrer Meinung ist Steffi Niedrich nicht allein. Landauf landab gibt es Demontstrationen gegen widersprüchliche und vermeintlich überzogene Maßnahmen der Landesregierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die Kommunikation der Landespolitiker ist alles andere als zielführend. „Ausgerechnet im Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern lässt die Landespolitik die Gesundheitsarbeiter allein. Dabei sind Fitness- und Gesundheitszentren ebenso wie Museen und Cafés in der Lage, Abstandsregeln einzuhalten und Hygienemaßnahmen zu befolgen. Im Gegensatz zu Unternehmen mit ungeplantem Publikumsverkehr sind wir in der Lage, gezielt zeitlich gedehnte Trainingspläne für unsere Mitglieder zu erstellen, sodass sich die Sporttreibenden nicht gegenseitig in die Quere kommen“, argumentiert Steffi Niedrich. Die Branche ist nicht nur Steuerzahler, Berufsausbilder und Arbeitgeber, sondern auch wichtiges Bindeglied zwischen Patienten, Ärzten, Therapeuten und Krankenkassen.

„Wir erbringen die körperlichen Leistungen, die Menschen wieder gesund machen und gesund halten sollen“, sagt Steffi Niedrich. Nach Landesverordnung können Tausende Rehasportteilnehmer derzeit ihre Übungen nicht unter fachlicher Anleitung ausüben. Qualifizierte Trainer, Übungsleiter und Hilfskräfte sitzen daheim untätig herum, obwohl alle räumlichen und technischen Möglichkeiten mit Pandemieeinschränkungen zu Verfügung stehen könnten. „Wir helfen Menschen, die täglich an verschiedensten Beschwerden, wie Adipositas, orthopädischen und internistischen Einschränkungen oder auch psychischen Erkrankungen, wie Burnout und Depressionen leiden. Diesen Menschen aktuell nicht helfen zu dürfen, obwohl es durchaus möglich wäre, ist für meine Kollegen und mich in keinster Weise nachvollziehbar. Wir erwarten hier eine ganz klare Antwort der Landesregierung, was diese Einschränkung unseres Geschäftsbetriebs im Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern unbedingt notwendig macht“, fordert die Hagenower Unternehmerin.

Bildunterschrift 1:
Seit 1999 betreibt Steffi Niedrich das Fitness- und Gesundheitszentrum La Fit in Hagenow und seit 2015 Schwerin. Foto: Heiko Wruck

Bildunterschrift 2:
Steffi Niedrich: Die Sprachlosigkeit der Landespolitik ist ein Vertrauensbruch erster Güte. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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