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Samstag, 5. Januar 2013

Ludwigslust-Parchim hart am Limit

Keine Schule wird 2013 geschlossen
von Heiko Wruck
INTERVIEW
Ludwigslust/gc. Der Großkreis Ludwigslust-Parchim geht ins zweite Jahr seines Bestehens. Herausforderungen gibt es für die Verwaltung viele - Interview mit Landrat Rolf Christiansen.


Der Landkreis startet mit einem Defizit ins Jahr. Warum?
Christiansen:  Die 70,4 Millionen Euro investive Schulden des Altkreises Parchim und ein Loch von weiteren 35,9 Millionen Euro in Ludwigslust, zusammen 106,3 Millionen Euro, lasten schwer auf dem Gesamthaushalt von rund 260 Millionen Euro. Es bleibt bei der Vorgabe, keine Neuverschuldung zuzulassen. Entsprechend zurückhaltend werden die kreislichen Investitionen 2013 ausfallen - beispielsweise für den Straßen- und Wegebau. Die Klage gegen die Altkreisumlage ist zwar abgelehnt worden. Aber dennoch ist mit weiteren Widerständen zu rechnen. Am saubersten wäre es gewesen, hätte das Land geholfen. Die Städte und Gemeinden müssen gemeinsam die Finanzprobleme  lösen. Sparmöglichkeiten gibt es vielleicht bei den freiwilligen Leistungen. Beispielsweise bei Kunst und Kultur, aber die Potenziale sind dort jetzt schon eher minimal. Wegen der Sparzwänge fehlt uns das Eigenkapital, um Fördermöglichkeiten nutzen zu können.

Die Verwaltungsmodernisierung hoch angebunden?
Christiansen:  Die 23 Fachdienstleiterstellen sind besetzt, es hat in den Abteilungen räumliche Veränderungen gegteben, nun müssen die Verwaltungsstrukturen weiter angepasst werden, um die über 1.000 Kreismitarbeiter effektiv zu organisieren. Abfallwirtschaft und Wirtschaftsförderungegesellschaft arbeiten kreisweit,  Volkshochschulen und Kreismusikschulen werden bis zum Beginn des Schuljahres zu je einer Einheit verschmelzen. Eine weitere Aufgabe wird die für den Sommer geplante Zusammenführung der beiden Verkehrsbetriebe zu einem Unternehmen sein, die rückwirkend zum 1. Januar 2013 erfolgen soll.

Wie steht’s um die Zusammenarbeit mit Schwerin sowie mit der Metropolregion Hamburg?
Christiansen: Beides gehört weiterhin zu den wichtigsten Aufgaben. Wir müssen uns als Gesamtregion etablieren. Dazu gehört ein Interessenausgleich, der beispielsweise neben Schwerin auch die beiden Berufsschulstandorte in Ludwigslust und in Parchim erhält, wie es von der Wirtschaft gefordert wird. In der Metropolregion setzen wir uns unter anderem dafür ein, den den Landkreis und Schwerin möglichst nah an den Hamburger Verkehrsverbund anzubinden. Die Attraktivität einer Region hängt für Familien und Unternehmen sehr von der Mobilität der Menschen ab und beeinflusst die demografische Entwicklung maßgeblich. Parchim soll ein Demografie-Projekt für die Metropolregion übernehmen, das gefördert wird.

Die Demografie stellt den Kreis vor große Herausforderungen.
Christiansen: Wir haben Ämter mit rund 30 Prozent Einwohnerverlust. Andere wachsen. Zunehmend bringen Eltern ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit außerhalb ihres Wohnortes in die Kita, während das Kita-Aufkommen im eigenen Ort sinkt. Das hängt meistens mit den Arbeitszeiten zusammen. Die Randzeiten-Kita in Friedrichsruh kann hierfür ein gutes Modell für andere Regionen im Landkreis sein. Die Kita-Entwicklung zieht die Entwicklung der Schulen nach sich. In diesem Jahr wird es keine Schulschließungen im Landkreis geben.  Aber mit der Schulwahlfreiheit entstehen auch Probleme. Die Schulen haben nun keine gesicherten Schülerzahlen mehr in ihren Stammgebieten.

Der Kreis als Wirtschaftsstandort ist auf einem guten Weg? 
Christiansen: 2012 haben viele Betriebe Erweiterungsinvestitionen getätigt. Das ist ein Indiz für eine stabile Wirtschaftslage und ein klares Bekenntnis zum Standort. Beides ist sehr wichtig für unsere weitere Entwicklung. Vor diesem Hintergrund ist auch die Raumentwicklungsplanung zu sehen. Wir legen wert auf regionale Wertschöpfungsketten. Das gilt auch für die Ausweisung neuer Gebiete für Windkraftanlagen.« Was wünscht sich der Landrat für das neue Jahr? »Gesundheit für meine Familie und mich sowie Geld für den Landkreis.

Kontakt:
Heiko@Wruck.org
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