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Mittwoch, 13. August 2014

Die Authentizität wird verschwinden

Das Nummernsachild wird anonym
von Heiko Wruck
BERICHT
Lassahn/gc. Mit seinen sechs Landkreisen und den beiden kreisfreien Städten kommt Mecklenburg-Vorpommern auf über 40 Nummernschildergruppen. Als Deutschlands größter Landkreis bietet die Mecklenburgische Seenplatte heute eine Auswahl von 11 Kfz-Kennzeichengruppen an.

Ab dem 1. Januar 2015 sollen Fahrzeuge über ein beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg betriebenes Internetportal bei der zuständigen Zulassungsbehörde abgemeldet werden können. Für die internetbasierte Anmeldung gilt dies jedoch noch nicht. Eine Lösung sei in Arbeit, teilt das Bundesverkehrsministerium mit.

Außerdem soll die bundesweite Kennzeichen-Mitnahme bei einem Wohnortswechsel oder Fahrzeugverkauf ebenfalls ab dem 1. Januar möglich werden. Wer also umzieht oder ein zugelassenes Fahrzeug erwirbt, braucht sich nicht zwingend neue Nummernschilder zu beschaffen. Mit dem Kennzeichen für die Ewigkeit wird es Otto Normalverbraucher bald nicht mehr möglich sein, auf den ersten Blick sicher zu sagen, ob ein Fahrzeug tatsächlich in Rostock, Hamburg oder München zugelassen ist.

Trotz der Vielzahl regionaler Haupt- und Unterkennzeichen ist damit die sichtbare Heimatidentifikation per Nummernschild keine verlässliche Größe mehr. Da darf man gespannt sein, ob in den nächsten Jahren ein „nur deutsches“ Kennzeichen die Weichen stellt für ein darauf folgendes ortsungebundenes Europa-Kennzeichen, ohne nationale Beschränkungen – ein Autoleben lang.



Aber egal wo Sie Ihr Auto heute angemeldet haben, egal ob Sie ein Wunsch- oder Sonderkennzeichen haben oder nicht, in Sachen Fahrzeugkennzeichen gehorcht jeder Deutsche einem Bayern. Der gebürtige Münchner August-Paul Straulino hatte das heutige deutsche Nummernschild entwickelt. Seit 1949 hatte Straulino als Leiter der Straßenverkehrsabteilung im Bundesverkehrsministerium gearbeitet. 1956 ist er verstorben. Zwischen 1870 und 1890 hatten einige deutsche Behörden bereits für Fahrräder lokal farblich unterschiedliche Kennzeichen vorgeschrieben. Angeblich hatten sich die Fälle von Fahrerflucht damals gehäuft.

1896 wurde in Baden das erste Nummernschild auf deutschem Boden an einem Auto befestigt. Eine erstmals einheitliche Regelung für die damals 26 Länder des Deutschen Reiches trat am 1. Oktober 1907 in Kraft. Magere 10.115 Pkw, lediglich 15.954 Krafträder und nur ganze 957 Lkw wurden damals zugelassen. Heute werden jährlich bundesweit rund 9 Millionen Fahrzeuge abgemeldet und zirka 3 Millionen neu zugelassen. Mittlerweile gibt es weit über 600 Fahrzeug-Kennzeichengruppen in Deutschland. Heiko Wruck

Bildunterschrift 1:
Wie wichtig und authentisch bleibt das Wunschkennzeichen am Auto wirklich? Bild: Heiko Wruck

Bildunterschrift 2:
Mandy Heuckrodt (29), Köchin in Techin: Wunschkennzeichen finde ich eigentlich ganz gut. Weil man ein ganz eigenes Nummernschild besser merken kann. Obwohl ich im Landkreis Ludwigslust-Parchim wohne, habe ich immer noch das Nummernschild aus Nordwestmecklenburg: NWM GD 66. Die 10 Euro für ein besonderes Wunschkenzeichen hatte ich mir gespart. Trotzdem schaue ich oft auf die Herkunftszeichen anderer Autos. Foto: Heiko Wruck

Bildunterschrift 3:
Fritz Friedrich (86), Rentner in Lassahn: Ein Wunschkennzeichen habe ich nicht an meinem Auto. Das ist mir egal. Aber ich habe noch mein Suhler Kennzeichen: SHL TU 96. Das erinnert mich an meine Heimat in Thüringen. Ob es gut ist, dass in Zukunft jeder in Mecklenburg ein thüringer Nummernschild haben kann, weil er sein Auto als gebrauchtes dort gekauft hat, weiß ich nicht. Jetzt kann man immer gleich sehen, wo jemand herkommt. Foto: Heiko Wruck

Bildunterschrift 4:
Claudia Block (37), Unternehmerin in Hagenow: Ja, ich habe ein Wunschkennzeichen: SN BC-77 – Initialen und Geburtsjahr. So kann ich es mir besser merken. In gewisser Weise identifiziere ich mich mit dem Ortskennzeichen. Ich finde es gut, dass man weiß, woher jemand kommt, und war schon oft überrascht. Im Urlaub hat das schon zu fröhlichen Bekanntschaften geführt. Ich fände es schade, wenn das nicht mehr ginge. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko@Wruck.org
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