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Samstag, 22. November 2014

Migranten in der EU

Risiko für Armut und Ausgrenzung doppelt so hoch
Redaktion: Eurostat
PRESSEMITTEILUNG
Luxembourg/gc. Für Nicht-EU-Bürger war die Wahrscheinlichkeit von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht zu sein im Jahr 2013 doppelt so hoch wie für Staatsbürger.

Im Jahr 2013 war nahezu die Hälfte (48,7 Prozent) der Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter in der EU28 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht1, während die Quoten für Staatsbürger des jeweiligen Meldelandes (im Folgenden als „Staatsbürger“ bezeichnet) sowie für Staatsbürger eines anderen EU-Mitgliedstaates weitaus geringer waren (22,8 Prozent bzw. 28,1 Prozent).

Ein sehr ähnliches Muster zeigte sich für die Quote der erheblichen materiellen Deprivation2, die eine der drei Komponenten der Armutsgefährdung und sozialen Ausgrenzung ist. Im Jahr 2013 war jeder fünfte Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter (20,7 Prozent) in der EU28 von erheblicher materieller Deprivation betroffen. Dies bedeutet, dass ihre Lebensbedingungen auf Grund von fehlenden Mitteln eingeschränkt waren, beispielsweise dass sie nicht in der Lage waren, ihre Rechnungen zu bezahlen, ihre Wohnung angemessen zu heizen oder einen einwöchigen Jahresurlaub weg von zu Hause zu finanzieren. Für Staatsbürger betrug diese Quote 8,9 Prozent und für Staatsbürger eines anderen EU-Mitgliedstaats war sie sogar niedriger (7,4 Prozent).

In Bezug auf die Wohnverhältnisse lebte im Jahr 2013 fast ein Drittel (32,0 Prozent) der Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter in der EU28 in überbelegten Haushalten3. Im Vergleich dazu betrug diese Quote sowohl für Staatsbürger (15,3 Prozent) als auch für Staatsbürger eines anderen EU-Mitgliedstaates (15,6 Prozent) knapp über 15 Prozent. Diese Informationen stammen aus einer Veröffentlichung4, die von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, herausgegeben wird. Diese Veröffentlichung beinhaltet Daten zu einem breiten Spektrum von Indikatoren zur sozialen Integration von Migranten, von denen nur ein kleiner Teil in dieser Pressemitteilung dargestellt wird. Indikatoren5 zur sozialen Integration von Migranten sind die zweite Veröffentlichungen in einer geplanten Reihe von Veröffentlichungen zur Integration, einschließlich Arbeitsmarktintegration und Ausbildung.

Quote der von Armut oder sozialer Ausgrenzung
bedrohten Personen am höchsten für Nicht-EU-Bürger
in Griechenland und Belgien
In allen EU28-Mitgliedstaaten, für die vergleichbare Daten vorliegen6, war die Quote der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter höher als die der Staatsbürger. In Griechenland (72,1 Prozent), Belgien (68,4 Prozent), Spanien (59,5 Prozent), Frankreich (55,8 Prozent), Kroatien (53,2 Prozent), Portugal (51,7 Prozent) und Slowenien (50,6 Prozent) war mindestens die Hälfte der Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Die niedrigsten Raten wurden in der Tschechischen Republik (30,8 Prozent) und in Malta (31,4 Prozent) verzeichnet.

Belgien, Frankreich, Griechenland und Spanien
verzeichneten die größten Unterschiede zwischen
den Quoten der von Armut oder sozialer Ausgrenzung
bedrohten Nicht-EU-Bürger und denen der Staatsbürger 
Von den Mitgliedstaaten, für die vergleichbare Daten vorliegen6, wurden im Jahr 2013 die größten Unterschiede zwischen den Quoten der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter und denen der Staatsbürger in Belgien (68,4 Prozent für Nicht-EU-Bürger gegenüber 18,4 Prozent für Staatsbürger, bzw. ein Unterschied von 50,0 Prozentpunkten) verzeichnet, gefolgt von Frankreich (39,9 Pp.), Griechenland (39,5 Pp.) und Spanien (36,2 Pp.). Auf EU28-Ebene lag der Unterschied zwischen den Quoten der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Nicht-EU-Bürger (48,7 Prozent) und denen der Staatsbürger (22,8 Prozent) im Jahr 2013 bei 25,9 Pp.

Über die Hälfte der Nicht-EU-Bürger, die in Griechenland
wohnen, leiden unter erheblicher materieller Deprivation 
In allen EU28-Mitgliedstaaten, für die vergleichbare Daten vorliegen6, ist der Anteil der Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter, die unter erheblicher materieller Deprivation leiden, höher als der der Staatsbürger, außer in Malta. Die Anteile für Nicht-EU-Bürger reichten von 56,8 Prozent in Griechenland bis 3,7 Prozent in Luxemburg und für Staatsbürger von 42,7 Prozent in Bulgarien bis 1,0 Prozent in Luxemburg und Schweden.

Von den Mitgliedstaaten, für die vergleichbare Daten vorliegen6, wurden im Jahr 2013 die größten Unterschiede zwischen den Quoten der Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter, die unter erheblicher materieller Deprivation leiden, und denen der Staatsbürger in Griechenland (56,8 Prozent für Nicht-EU-Bürger gegenüber 17,6 Prozent für Staatsbürger, ein Unterschied von 39,2 Prozentpunkten) verzeichnet, gefolgt von Belgien (28,8 Pp.), Portugal (20.9 Pp.) und Frankreich (20,4 Pp.). Die niedrigsten Unterschiede wurden hingegen in Malta (8,6 Prozent für Nicht-EU-Bürger gegenüber 9,1 Prozent für Staatsbürger, ein Unterschied von 0,5 Prozentpunkten), Luxemburg (2,7 Pp.) und in den Niederlanden (3,4 Pp.) registriert. Auf EU28-Ebene lag der Unterschied zwischen den Quoten der erheblicher materieller Deprivation von Nicht-EU-Bürgern (20,7 Prozent) und Staatsbürgern (8,9 Prozent) im Jahr 2013 bei 11,8 Pp.

Höchste Überbelegungsquote bei Nicht-EU-Bürgern
in Italien, niedrigste in den Niederlanden
In allen EU28-Mitgliedstaaten, für die vergleichbare Daten vorliegen, ist die Überbelegungsquote bei Nicht-EU-Bürgern im Alter von 18 Jahren oder älter deutlich höher als bei Staatsbürgern eines anderen EU-Mitgliedstaats. Im Jahr 2013 lebte die Mehrheit der Nicht-EU-Bürger in Italien (55,7 Prozent), Kroatien (52,4 Prozent) und Griechenland (51,3 Prozent) in einem überbelegten Haushalt. Der Anteil lag in den Niederlanden (4,6 Prozent), Zypern (5,5 Prozent) und Malta (8,6 Prozent) bei unter 10 Prozent.

Von den Mitgliedstaaten, für die vergleichbare Daten vorliegen6, wurden im Jahr 2013 die größten Unterschiede zwischen den Anteilen der Nicht-EU-Bürger im Alter von 18 Jahren oder älter, die in einem überbelegten Haushalt lebten, und denen der Staatsbürger in Slowenien (47,8 Prozent für Nicht-EU-Bürger gegenüber 13,4 Prozent für Staatsbürger, ein Unterschied von 34,4 Prozentpunkten) verzeichnet, gefolgt von Italien (33,2 Pp.), Schweden (30,2 Pp.) und Österreich (29,6 Pp.), während die geringsten Unterschiede in Lettland (1,1 Pp.), den Niederlanden (2,0 Pp.) und Zypern (3,8 Pp.) registriert wurden. Auf EU28-Ebene betrug der Unterschied zwischen den Überbelegungsquoten für Nicht-EU-Bürger (32,0 Prozent) und für Staatsbürger (15,3 Prozent) im Jahr 2013 16,7 Pp.

1.
Personen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, sind von mindestens einer der folgenden drei Lebensbedingungen betroffen: nach Zahlung von Sozialleistungen von Armut bedroht (Einkommensarmut), unter erheblicher materieller Deprivation leidend oder in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit lebend.

2.
Personen, die unter erheblicher materieller Deprivation leiden, leben unter Bedingungen, die durch fehlende Mittel eingeschränkt sind, und sind von mindestens 4 der folgenden 9 Deprivationskategorien betroffen: Sie sind nicht in der Lage 1) die Miete/Hypothek oder Rechnungen für Versorgungsleistungen pünktlich zu bezahlen, 2) die Wohnung angemessen zu beheizen, 3) unerwartete Ausgaben zu tätigen, 4) jeden zweiten Tag eine fleisch- oder fischhaltige Mahlzeit (bzw. vegetarische Entsprechung) zu haben, 5) einen einwöchigen Jahresurlaub weg von zu Hause zu finanzieren, sich 6) ein Auto, 7) eine Waschmaschine, 8) einen Farbfernseher oder 9) ein Telefon (einschl. Mobiltelefon) leisten zu können.

3.
Eine Person wird als in einem überbelegten Haushalt lebend gezählt, wenn dem Haushalt nicht eine Mindestzahl von Räumen zur Verfügung steht, die sich wie folgt bemisst: ein Raum pro Haushalt; ein Raum pro Paar, das in dem Haushalt lebt; ein Raum pro Person ab 18 Jahre; ein Raum für zwei Personen desselben Geschlechts im Alter zwischen 12 und 17 Jahren; ein Raum pro Person zwischen 12 und 17 Jahren, die nicht der vorhergehenden Kategorie zuzuordnen ist; ein Raum für zwei Kinder unter 12 Jahren.

4.
Eurostat, „Statistics Explained“ Artikel“ „Migrant integration - Social inclusion“. Auf der Eurostat-Website verfügbar: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/statistics_explained/index.php/Migrant_integration_statistics_-_social_inclusion. Die in dieser Pressemitteilung veröffentlichten Daten können von denen im „Statistics Explained“ Artikel enthaltenen Daten auf Grund von Aktualisierungen nach den Datenauszügen für die Veröffentlichung abweichen.

5.
Die EU-SILC Erhebung ist die Referenzquelle der EU für vergleichbare Statistiken über Einkommensverteilung, Armut und Lebensbedingungen:
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/income_social_inclusion_living_conditions/introduction. Die in dieser Veröffentlichung in Klammern angegebenen Daten sollen mit Vorsicht verwendet werden, da diese durch eine geringe Stichprobengröße oder eine hohe Nichtbeantwortungsquote beeinflusst sein können. Aus diesem Grund werden die Daten der Mitgliedstaaten, die von diesem Unzuverlässigkeitsproblem betroffen sind, bei der Analyse nicht berücksichtigt und sollen mit Vorsicht interpretiert werden.

Weitere Auskünfte:
Piotr JUCHNO
Tel: +352-4301-36 240
piotr.juchno@ec.europa.eu

Aussender:
Romina Brondino
EUROSTAT
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