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Donnerstag, 29. September 2016

Ein schmaler Grat

von Heiko Wruck
GLOSSE
Die Temperaturen sind nicht sommerlich. Sie sollten sich trotzdem überlegen, öfter mal nackt auf die Straße zu gehen. Jedenfalls wenn Sie an einer Demo teilnehmen wollen.


Im Frühling 2015 war eine Sympathiesantin der Blockupy-Proteste auf einer solchen Demo gegen die Eröffnung des  Neubaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main. Dort kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Die junge Frau hatte zwar nicht an den Ausschreitungen teilgenommen, aber sie war eben auch nicht nackt vor Ort. Sie hatte eine Plastikfolie auf dem Kopf getragen, vermutlich um sich gegen einen möglichen Pfefferspray-Einsatz der Polizei zu schützen. Das wurde ihr zum Verhängnis.

Denn im Sommer dieses Jahres verdonnerte sie das Frankfurter Amtsgericht genau wegen dieser Folie zu einer Strafzahlung von 600 Euro. Die Folie sei eine „Schutzbewaffnung“, die das Pfefferspray der Polizei hätte wirkungslos machen können. Die saß auf dem Kopf, jedoch nicht auf dem Gesicht, so der Anwalt der jungen Frau.

Wäre sie einfach nur nackt gewesen, hätte sie bestenfalls polizeilichen Beifall geerntet – vorausgesetzt sie hätte ins Beuteschema der Polizeibeamten gepasst. Der Haken ist, passt sie nicht ins Beuteschema, dann könnten die Polizisten auch spontan erblinden. Das ist dann schon wieder eine schwere Körperverletzung.

Kontakt:
heiko.wruck@t-online.de
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