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Montag, 11. Dezember 2017

Big Business an der Schule

Eigentlich fehlen nur noch ein paar Mädchen
von Heiko Wruck
BERICHT
Dömitz/gc. Eine Schülerfirma erfolgreich zu betreiben, ist kein Kinderkram. Schließlich unterliegt das Unternehmen denselben ökonomischen Zwängen wie jeder andere gewinnorientierte Betrieb auch. Allerdings gibt es in einer Schülerfirma eine deutlich stärkere Dynamik in den Prozessen, die über Erfolg und Misserfolg der Unternehmung entscheiden.


Diese Dynamik betrifft die Schüler selbst. Sie können, aber sie müssen nicht für die Schülerfirma tätig sein. Wenn sie die Lust verlieren, wechseln sie einfach das Fach, oder sie steigen aus, weil sie sich um ihr Abi kümmern müssen oder die Schule verlassen. Mit ihnen geht auch ihr Wissen verloren. Andererseits sind die Schüler sowohl Hauptzielgruppe als auch Beschäftigte der Schülerfirma. Damit spreizen sich die Interessen vom Grundschulniveau bis zur Hochschulreife, gleichzeitig sind die scharfen Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes, die die Beschäftigung der Schüler je nach Alter regulieren, zu beachten. Alles nicht so einfach ...

Die Klanglabor S-GmbH gibt es seit 8 Jahren in Dömitz. Der Buchstabe S, der  vor der Nennung der Rechtsform steht, ist Kennzeichnung als Schülerfirma. Damit ist klar, hier haben Schüler das Sagen: und zwar in allen Belangen. Träger des Klanglabors ist der gemeinnützige Schulverein des Gymnasialen Schulzentrums Dömitz. Erst durch ihn ist es der Schülerfirma möglich, sich marktwirtschaftlich zu betätigen. Geschäftsführer Kai Behrendt (17) und sein Stellvertreter Bennit Schulz (13) stehen dem Unternehmen vor. Sie umreißen dessen Struktur: DJing, Tontechnik, IT, Lichttechnik, Catering und Eventmarketing. Hinzu kommen die Buchhaltung und das Management. 15 Schüler, und als Pädagogischer Betreuer der Mathe- und Chemielehrer Thomas Schuldt, betreiben das Klanglabor. Als begleitender Lehrer ist es Schuldts Aufgabe, auf die „Spielregeln“ in der Schülerfirma  zu achten. In mehreren Fortbildungen bei der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie MV e.V. hat er gelernt, wie man eine Schülerfirma aufbaut und begleitet.

Das Klanglabor ist längst nicht nur auf dem Schulgelände aktiv, sondern betätigt sich geschäftlich mit allen Konsequenzen auch außerhalb der Schule. Die Schülerfirma organisiert beispielsweise im Bereich Eventmarketing Fahrten zu Musicals. Die Mitarbeiter dieser Abteilung sichten die aktuellen Angebote, betreiben Bedarfsanalysen, verhandeln mit den Veranstaltern die Konditionen und kaufen schließlich ein bestimmtes Kartenkontingent, das sie mit Gewinn unter die Leute bringen. Auch die Organisation der An- und Abfahrt zum und vom Event kann zu den Aufgaben gehören.

Ähnlich läuft es, wenn DJ-Leistungen von professionellen Veranstaltern, von Schulklassen für eine Klassenfete oder von Privatpersonen gebucht werden, zum Beispiel für eine Geburtstagsparty. Auch für die technische Unterstützung von Schulveranstaltungen, für Aufführungen der Theatergruppe oder für die Ausrichtung einer Nachmittagsveranstaltung einer Grundschulklasse werden die Leistungen des Klanglabors gebucht.

„Die größte Veranstaltung, die das Klanglabor bisher gestemmt hatte, war eine Schülerparty mit rund 600 Gästen. Das war 2012“, erinnert sich Thomas Schuldt. „Aber hier sind wir an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen.“

Im Gespräch wird deutlich, die jungen Leute sind mit Feuereifer bei der Sache. Viele sind bereits seit mehreren Jahren dabei. Zuerst müssen sich etwaige Interessenten allerdings richtig bewerben, ab Klasse 6, dann folgt ein halbes Jahr als Azubi. Jedem Neuzugang wird ein Betreuer zugewiesen, der ihn ins Geschäft einführt. So wird das Wissen von Schülergeneration zu Schülergeneration weitergegeben. Das funktioniert nur, wenn das Betriebsklima stimmt, die Arbeit im Klanglabor Spaß macht und sich Erfolge einstellen. Betreut wird die Dömitzer Schülerfirma von Konni Fuentes und Thomas Evers von der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie MV e. V.

Bildunterschrift 1:
Auf den ersten Blick scheint das Klischee zu stimmen, Wirtschaft ist nichts für Mädchen: Dieses Vorurteil wollen die Betreiber der Dömitzer Schülerfirma Klanglabor nicht unkommentiert stehen lassen. Mädchen wären schon eine interessante Bereicherung für die Klanglabor S-GmbH, weil sie oft einfach ein anderes Denken und damit auch andere Ideen mitbringen. Es waren immer mal wieder ein paar Mädchen dabei, doch eine Mädchenfraktion hat sich bislang nicht etabliert. Noch nicht ... Foto: Heiko Wruck

Bildunterschrift 2:
Bis zum 8. November war dieser Technikraum gleichzeitig auch die Zentrale der Dömitzer Klanglabor S-GmbH. Seit Anfang November nutzen alle 15 Schüler ein richtiges Firmenbüro. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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