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Sonntag, 11. März 2018

Reizvoll ist die Stadt schon, doch die Idylle ist trügerisch

Unter der Oberfläche der Stadt Crivitz rumort es
von Heiko Wruck
BERICHT
Crivitz/gc. Die Idylle muss hart erkämpft werden! Wenn nach heutigem Stand im Jahr 2020 die rund 1,2 Millionen Euro Rücklagen aufgebraucht sind, steht die Stadt Crivitz komplett ohne Geldreserven da. Das Eigenkapital an Straßen und Gebäuden beträgt circa 23 Millionen Euro – die mit Reparaturen, Sanierungen und Erneuerungen erhalten werden müssen.


Drei Sporthallen, zwei Schulen, zwei Kitas und ein Hort befinden sich darunter. Ab nächstem Jahr soll ein Investitionskredit in Anspruch genommen werden, um die Herausforderungen stemmen zu können. Denn die Stadt hat viel auf dem Zettel.  Die Kita „Uns Lütten“ soll eine neue Krippe für 1,4 Millionen Euro bekommen. Die Förderung dafür liegt bei 600.000 Euro. Von 2019 bis 2020 soll dann das Bestandsgebäude der Kita saniert werden. 1985 für 144 Kinder gebaut, beherbergt die Kita heute 204 Kinder. Auch die um 1900 gebaute denkmalgeschützte Grundschule ist in die Jahre gekommen. Aktuell werden dort 290 Kinder unterrichtet. Im Schuljahr 2017/18 wurden erstmals wieder vier erste Klassen eingeschult. „Tolle Sache! Wir gehen deshalb an den Rand unserer Leistungsfähigkeit, um die Grundschule zu sanieren und um zwei Klassenräume zu erweitern. Der Brandschutz allein verschlingt schon eine halbe Million. Einen Kredit zur Schonung unserer Rücklagen dürfen wir nicht aufnehmen. Das ist schade, weil wir gern die Niedrigzinsphase genutzt hätten“, sagt Crivitz Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm. Der Bau eines neuen Speiseraumes hat bereits begonnen. Der alte wird vorübergehend zu zwei Klassenräumen umgebaut, um die Kinder während der Sanierungsphase aufzunehmen. An der Kita hat der Bau einer neuen Krippe für 60 Kinder begonnen – 12 Kinder mehr als bisher in der Kita sind. Danach wird die Kita ebenfalls saniert und drei Plätze mehr geschaffen.

„Bei beiden Projekten warten wir seit 4 Jahren auf Fördermittel. Kita Invest und ELER-Förderung sind inzwischen in Aussicht gestellt. Zur Reduzierung des Eigenanteils sind Kofinanzierungs- und Sonderbedarfsmittel beantragt, aber noch nicht bestätigt. Ohne Unterstützung würden wir den Sanierungsstau nicht abgearbeitet bekommen. Nach derzeitigem Stand werden wir etwa 3,4 Millionen Euro aus eigener Tasche zahlen, bei einem Gesamtvolumen von etwa 7 Millionen Euro«, sagt die Bürgermeisterin. Hinzu kommen erhebliche Regenwassersorgen, die gemeinsam mit dem Zweckverband angepackt werden. „Weite Teile der Stadt befinden sich in einer Tallage. Viele Straßen und Wege wurden über Jahrzehnte baulich nicht angepasst. Es wurden immer mehr Flächen versiegelt und Gräben zugeschüttet. Die Folge ist, dass ,tanzende‘ Gullydeckel bei starkem Regen keine Seltenheit sind und manche Crivitzer Familie auch schon unfreiwillig das Wasser im Haus hatte.“ Crivitz hat als Grundzentrum nicht das Dilemma der Wohnungsbaubegrenzung. Erschlossene Bauplätze sind aktuell nicht mehr genug vorhanden. Deshalb erschließt die Stadt gerade im B-Plan-Gebiet Trammer Straße einen neuen Bauabschnitt. Die Lindenallee, die bereits seit den 90-ern voll erschlossen ist, wird jetzt auch für den privaten Wohnungsbau vorbereitet, um dem Wunsch nach altersgerechtem Wohnen wie auch dem Zuzug von Familien gerecht zu werden.

Auch mit dem Großamt scheint die Bürgermeisterin noch nicht vollends zufrieden. „Crivitz hat das Glück, das Amt direkt im Ort zu haben. Aber erstmal kostet es mehr Geld und mehr Personal, da drei Systeme zusammenwachsen müssen. Die Wege der Verwaltung sind teilweise deutlich länger geworden, wodurch effektive Arbeitszeit verloren geht. Eine Fusion unter dem Aspekt der Ersparnis zu betrachten, ist deshalb der falsche Ansatz“, kommentiert sie die Entscheidung zur Zusammenlegung der drei ehemaligen Ämter Banzkow (über 7.000 Einwohner), Crivitz (rund 5.000 Einwohner) und Ostufer Schweriner See (über 8.000 Einwohner) zum jetzigen Amt Crivitz mit 17 Gemeinden und fast 25.000 Einwohnern. „Ein Mehrwert wird nur durch mehr fachliche Kompetenzen erreicht werden können. Sie sehen, wir haben viel zu tun, denn Crivitz soll wachsen und schöner werden."

Bildunterschrift:
Britta Brusch-Gamm ist Crivitz ehrenamtliche Bürgermeisterin. In der Kleinstadt vor den Toren Schwerins gibt es einen erheblichen Investitionsstau, der sich über Jahrzehnte entwickelt hat. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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