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Samstag, 21. April 2018

Jellyfish

von Heiko Wruck
GLOSSE
Kaum sind die Temperaturen über die unerträgliche Null-Grad-Grenze geklettet, durchstreifen allerorten halbnackte Klumpen welken Fleisches die Shopping Malls. Sie lagern sich wie Plaque auf Wiesen und Parkbänken ab. Sie okkupieren jeden Eisstand und drücken sich reihenweise Kaltgetränke in ihre massigen kurzen Hälse.


Schleck, wie ein halbes Kilo Erdbeereis verschwindet unter aufgerissenen Augen im geweiteten Schlund und verstärkt nur wenig später den teigigen Körper um einen weiteren Zentner. Aber die verschwitzte amorphe Masse will auch in diesem Jahr einer angeekelten Öffentlichkeit gebührend präsentiert werden. Folglich heißt es nun wieder: bauchfrei! Die Briten kommen mir in den Sinn. Die Qualle wird dort als Jellyfish bezeichnet.

Das klingt im Deutschen irgendwie nach mit einem Verdickungsmittel wabblig gehaltenen alten Fisch. Was haben sich manche empört über Kopftücher und Burkas. Doch allein schon aus ästhetischen Gründen sollte man jetzt die Parole „Wir stehen auf Bikini“ doch noch mal gründlich überdenken. Wer will schon milchweiße Landquallen oder schweißrotes Pickelnarbengewebe in seiner Nähe sehen, wenn er sich mit seiner klumpigen Mutti und den fetten Kleinen aus dem überhitzen Auto schleimt?

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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