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Mittwoch, 5. September 2018

Giftig, hämisch und völlig nutzlos

Mahnwache in Schwerin, Festgefahren im Stellungskrieg
von Heiko Wruck
BERICHT
Schwerin/gc. Zu sagen hatten sich die beiden verfeindeten Lager am vergangenen Montag, 3. September 2018, nichts. Dafür war das Geschrei auf dem Schweriner Markt umso größer.

Wenigstens blieb das Aufeinandertreffen der „AfD-Mahnwache“ für den in Chemnitz getöteten Daniel H., einen farbigen deutschen AfD-Gegner, und den Gegendemonstranten gewaltfrei – aber auch völlig nutzlos. Während die einen Deutschlands vermeintlichen Untergang beklagen befürchten die anderen das Abrutschen in den Faschismus. Der tote Daniel H. blieb in diesem Stellungskrieg bloße Staffage. Scandiert wurden andere Inhalte: giftige Beleidigungen, hämische Zwischenrufe und ritualisierte Empörung.

Damit, und auch nicht mit blutigen Straßenschlachten, lassen sich weder Faschismus verhindern noch Konflikte schlichten oder sich das Land zum Besseren wenden. Das zeigt ganz besonders die jüngere deutsche Geschichte.

Öffentliche Demonstrationen waren noch nie geeignet, harte Fronten aufzubrechen, um gegenseitiges Verständnis zu erzielen. Sie sind ausnahmslos allein Machtdemonstrationen. Doch eine belastbare Verständigung braucht guten Willen und Kompromissbereitschaft. Beides ist bei Extremisten nicht zu finden.

Bildunterschrift:
Mahnwächter und Gegenprotestierer (Foto oben) hatten am vergangenen Montag, 3. September 2018, auf dem Schweriner Markt in etwa die gleiche Teilnehmerzahl. Das war aber auch schon die einzige Ausgewogenheit der Versammlung. Foto: Heiko Wruck
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