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Freitag, 1. Februar 2019

Zombie-Blätter

von Heiko Wruck
KOLUMNE
Von den 323 Zeitungsverlagen in Deutschland hatten in 2018 lediglich 120 noch eine Vollredaktion. Von einer Vollredaktion spricht man immer dann, wenn die wesentlichen Teile der Zeitung von einer zeitungseigenen Redaktion erstellt und nicht von fremden Zeitungsredaktionen übernommen werden. Damit sind fast zwei Drittel aller  Zeitungsverlage von externen Redaktionen gesteuert.


Ein gigantischer Nachteil für die Meinungsvielfalt. Denn fremde Redaktionen produzieren in den Wirtsverlagen Zombie-Blätter. Meinungsvielfalt finden hier nicht mehr statt. Jeder einzelne Beitrag wird halt nur in mehreren Zeitungen publiziert. Damit wird jedoch immer auch nur eine einzige Sicherweise vermittelt. Das ist zwar billig, jedoch nicht zielführend. Man stelle sich vor, jemand stellt einen Pressespiegel zusammen mit dem Ziel, alle Kommentare zu einem bestimmten Thema einzusammeln. In über zwei Dritteln aller deutschen Zeitungsverlage wird die Auswahl denkbar knapp.

Vor diesem Hintergrund wird die Kritik an den Filterblasen des Internets obsolet. Denn etwas anderes machen die Zombi-Blätter auch nicht. Es ist wohl mehr als angebracht, nicht nur im Internet die Herkunft von Artikel zu prüfen, sondern dies auch bei Zeitungsartikeln zu tun. Da sollte man zuerst fragen, wem das Blatt gehört.

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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