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Freitag, 8. Mai 2020

Längst nicht alles geht im Homeoffice

Krise legt Risiken und Potenziale der Online-Arbeit offen
von Heiko Wruck
GESPRÄCH
Hagenow/gc. Ein verhaltenes Aufatmen geht durchs Land. Die coronabedingten Einschränkungen erfahren erste Lockerungen. Wie die Hagenower Stadtverwaltung mit der Lage umgeht, erklärt Hagenows Bürgermeister Thomas Möller.

Wie fand und findet in Hagenow politische Arbeit statt?
Wir haben coronabedingt eine Stadtvertretersitzung im sogenannten Umlaufverfahren durchgeführt. Dieses wurde zwar von allen Stadtvertretern gut angenommen, ist in meinen Augen aber wirklich nur im Ausnahmefall anwendbar. Bis dato waren sämtliche Ausschussitzungen ausgesetzt. Am 12. Mai werden wir den Normalbetrieb wieder beginnen. Das beginnt mit einer Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr im Rathaussaal. Allerdings beschränken wir die Sitzungen auf eine am Tag.

Waren oder sind die städtischen Mitarbeiter in Kurzarbeit?
Nein, wir haben niemanden in Kurzarbeit geschickt. Etwa ein Drittel der Mitarbeiter der Kernverwaltung haben im Homeoffice gearbeitet. In Summe haben wir 220 Mitarbeiter. Die sind beispielsweise im Bauhof, in Turnhallen, Kitas, im Museum oder in der Bibliothek und so weiter tätig. Der Verwaltungskern besteht aus circa 50 Mitarbeitern. Von denen war oder ist etwa ein Drittel im Home­office. Die Erzieherinnen und Erzieher sind auf Anweisung des Sozialministeriums Mecklenburg-Vorpommerns freigestellt worden. Diese Arbeitsverlagerungen haben uns Kurzarbeit erspart. Außerdem lag und liegt nicht weniger Arbeit an, sondern  durch Corona deutlich mehr.

Welche Arbeiten laufen trotz Coronakrise weiter und welche kommen hinzu?
Es läuft eigentlich fast alles ganz normal weiter. Manches nur verlangsamt. Das Standesamt hat zwar aktuell weniger mit Hochzeiten zu tun, aber trotzdem müssen Geburten und Sterbefälle beurkundet werden. Auch das Einwohnermeldeamt arbeitet normal weiter. Zusätzliche Aufgaben stehen für das Ordnungsamt an. Vor Corona haben die Mitarbeiter zu den normalen Dienstzeiten der Verwaltung gearbeitet. Jetzt arbeiten sie an sieben Tagen in der Woche. Sie müssen jetzt täglich viele Kontrolldienste leisten, beraten, hinweisen, informieren und vieles mehr. Da mussten wir auch personelle Umsetzungen zur zeitweiligen Verstärkung des Außendienstes vornehmen.

Können Verwaltungsmitarbeiter im Homeoffice arbeiten?
Grundsätzlich ja, aber man darf Homeoffice auch nicht mit Online-Arbeit gleichsetzen. Viele Tätigkeiten müssen trotzdem offline erledigt werden. Wir haben Mitarbeiter, die nach RKI-Kriterien Risikopatienten sind, angeboten, zuhause zu arbeiten, wo es möglich war. Allerdings mussten die dies erst mit ihren Hausärzten klären und uns über ihre Gesundheitssituation informieren. Der Breitbandausbau ist in der Stadt recht gut, in manchen Ortsteilen aber noch nicht. Deswegen ist Online-Arbeit nicht überall uneingeschränkt möglich. Die Datensicherheit ist im privaten WLAN ein spezielles Problem.

Wie unterstützt die Stadt Bürger und Unternehmen?
Unser Wirtschaftsförderer Roland Masche hält verstärkt Kontakt zu den Unternehmen in der Stadt und versorgt sie mit Informationen oder gibt Hilfestellungen zur Selbsthilfe. Auch auf der Internetseite der Stadt liefern wir Informationen für die Bürger und verweisen ansonsten auch auf die Hotline des Landkreises.

Gibt es für Sie als Bürgermeister ein Fazit aus der Coronakrise?
Corona hat uns gezeigt, welche Möglichkeiten und welche Gefahren in der Digitalisierung stecken. Wir müssen lernen, damit umzugehen.

Bildunterschrift:
Hagenows Bürgermeister Thomas Möller: Nicht alles in der Kommunalverwaltung ist online im Homeoffice leistbar. Und es gibt spezielle Anforderungen an die Datensicherheit, die private Computer und WLANs nicht erfüllen. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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