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Montag, 1. Juni 2020

Wir bieten 12 virtuelle Rundgänge an

Land der Tiere 130 Tiere durch die Krise
von Heiko Wruck
GESPRÄCH
Banzin/gc. Das Thema Tierrettung geht in Zeiten der Pandemiebekämpfung fast gänzlich unter. Jürgen Foß erklärt im Gespräch, worauf es jetzt im veganen Tierschutzzentrum „Land der Tiere“ in Banzin ankommt.


Wie viele Tiere haben Sie?
Zurzeit haben wir circa 130 Tiere bei uns. Das sind Schafe, Ziegen, große Schweine, Minischweine, Kaninchen, Enten, Puten, Gänse, Hühner, Hunde, Katzen, Schildkröten und zwei Bartagamen. Wir haben acht Gehege für die Kleintiere. Alle Tiere leben in Freilandhaltung, außer den Bartagamen. Pferde haben wir nicht im Fokus, aber dafür Rinder. Allerdings müssen wir für die Rinder erst Voraussetzungen schaffen.

Wie hat sich das Unterstützernetzwerk entwickelt?
Die Auswirkungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gehen auch am Land der Tiere nicht spurlos vorüber. Wir finanzieren die Versorgung der Tiere allein aus Spenden und Förderbeiträgen. Staatliche Hilfen bekommen wir nicht. Unser Rückgrat sind die Tier-Patenschaften mit festen monatlichen Beiträgen. Hinzu kommen Spenden. Die Förderpatenschaften und das Spendenaufkommen kamen über Straßenfeste, eigene und öffentliche Veranstaltungen. Durch die Pandemie-Einschränkungen liegen diese Möglichkeiten auf Eis. Ähnlich verhält es sich mit unseren freiwilligen Helfern, die auch aus Berlin, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein zu uns kommen. Die dürfen jetzt nicht einreisen. Wenn also über längere Zeit die Hälfte der Leute fehlt und auch die Einnahmen sinken, dann ist das sehr deutlich spürbar. Glücklicherweise sind aber die Patenschaften recht stabil, und auch unsere Helfer aus Mecklenburg sind eine echte Stütze. Ab Mitte Juni sollen weitere Lockerungen der Einschränkungen erfolgen. Wir hoffen dann auf den Besucherverkehr, die Möglichkeit, öffentliche Veranstaltungen durchführen oder auf fremden auftreten zu können. Aber es bleibt eine Durststrecke.

Gibt’s einen Zusammenhang von Pandemie und Tierwohl?
Es gibt immer den Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Das ist auch bei dieser Pandemie nicht anders. Aber das Auftreten dieser Seuche nun eins zu eins mit unzureichenden Verhältnissen erklären zu wollen, ist nicht möglich. Dafür sind die Zusammenhänge zu komplex. Tatsache ist, laut einer Studie der Universität Edinburgh, dass die industrielle Tierhaltung die Ursache von circa drei Viertel der Infektionskrankheiten ist, die gefährlich für den Menschen sind. Das beginnt bei immer enger werdenden menschlichen und tierischen Lebensräumen. So wird es für Erreger leichter, Barrieren zu überwinden. Von Ressourcenverschwendung und Landverbrauch, Umweltzerstörung sowie millionenfachem Tierleid nicht zu reden. Das bleibt nicht folgenlos.

Was wird im Land der Tiere aktuell gebraucht?
Wir brauchen immer Patenschaften, Förderungen, Spenden und ehrenamtliche Helfer. Auch frisches Obst und Gemüse sind uns als Futterzusatz sehr willkommen. Die anderen Futtermittel sind sehr speziell. Deswegen kaufen wir sie lieber selbst ein.

Ab wann läuft der Publikumsverkehr wieder an?
Ich hoffe, ab Ende Juni 2020. Allerdings brauchen Veranstaltungen Planungs- und Vorlaufzeiten. Wir halten unsere Internetseite aktuell und haben wegen der derzeit nicht stattfindenden Öffnungszeit unsere Rundgänge digitalisiert. In insgesamt 12 Folgen zeigen wir die Tiere und erklären die Hintergründe: Land-der-tiere.de/video-rundgang. So können wir unsere sonntäglichen Führungen virtuell zu den Menschen nach Hause bringen und, wenn gewünscht, mit ihnen in Kontakt bleiben.

Bildunterschrift:
Jürgen Foß vom Land der Tiere hofft, dass Ende Juni die coronabedingten Einschränkungen in Mecklenburg-Vorpommern aufgehoben werden und wieder Besucher begrüßt werden können. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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