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Mittwoch, 5. August 2020

Digitale Knechtschaft ist bargeldlos

von Heiko Wruck
KOLUMNE
Wenn es kein Bargeld mehr gibt, was sollte Banken dann noch daran hindern, sowohl Überziehungs- als auch Guthabenszinsen von den Kontoinhabern zu erheben. Immerhin müssen Kommunen jetzt schon in vielen Fällen auf ihre Guthaben Negativzinsen bezahlen. Privatpersonen werden davon nicht verschont bleiben.

Bargeld ist wertsichernd. Das bedeutet, wer sein Bargeld daheim in eine Kiste legt, entzieht sowohl dem Staat als auch der Bank den Zugriff auf seine Einlagen. Digital ist das nicht möglich. Wer auf Bargeld verzichtet, der gibt auch seine Selbstbestimmtheit auf. Er ist immer und überall sichtbar und kann anhand der ständigen kommerziellen Überwachung mit einem einzigen Mausklick komplett vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Digital hinterlässt jeder einzelne Einkauf Spuren, die von den Geldkartenanbietern genutzt und an Dritte verkauft werden. Jede Anonymität geht verloren. Staatliche und private Datennutzer sind  jederzeit in der Lage, jeden Kartenzahler sekundengenau überall hin zu überwachen und dieses Wissen praktisch unbegrenzt zu archivieren.

Schon heute sind Leben, Arbeiten und Wohnen ohne Konto kaum möglich. Mit Bargeld lässt sich dieser Nachteil jetzt noch eine Zeit lang überbrücken. Ohne Bargeld jedoch geht alles verloren: die Wohnung, die Arbeit, das Einkaufen, unter Umständen auch der Arztbesuch und die Krankenhausversorgung.

Bargeld ist geprägte Freiheit. Bargeld muss als Parallelsystem zwingend neben den digitalen Bezahlangeboten bestehen bleiben, wollen wir nicht in einer abstrakten Knechtschaft der Herren über Bits und Bytes enden. Denn am Ende eines jeden Prozesses, auch dem der Bargeldabschaffung, stehen nicht Maschinen als Profiteure, sondern wenige Menschen. Die bleiben unsichtbar, aber allmächtig.

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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