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Dienstag, 15. September 2020

Konsens und Kompromiss gefragt

Zarrentin steht vor vielen Herausforderungen
von Heiko Wruck
GESPRÄCH

Zarrentin/gc.
Die Schaalseestadt Zarrentin wächst. Wie bei jeder Vergrößerung so gibt es auch hier Dehnungsrisse und Wachstumsschmerzen. Im Gespräch erklärt Zarrentins Bürgermeister Klaus Draeger die aktuellen Befindlichkeiten.

Der Schaalseehof hat erneut eine Schlappe kassiert. Und nun?
Mit der Ablehnung der 6. Änderung des Bebauungsplanes Nr. 19 „Schaalseehof“ sind viele Bauvorhaben dort zurzeit nicht möglich. Wir haben aber noch eine Option in der Schublade, die eine sehr gute Gesprächsgrundlage darstellen kann. Allerdings sind die Fronten derzeit verhärtet (Anm. d. Red. Stand: 31. August). Als Stadt werden wir alles tun, um die Kontroversen beizulegen. Wir werden also am Ball bleiben. Das sind wir nicht zuletzt den Menschen schuldig, die in Zarrentin ihre Heimat haben oder suchen.

Was bedeutet das Nein aus Greifswald konkret?
Es bedeutet, es kann nicht gebaut werden. Das betrifft circa 26 Bauherren. Ein Teil hat Grundstücke erworben, aber noch keine Bauaufträge ausgelöst. Aber einige sitzen bereits auf Krediten und müssen Bereitsstellungszinsen zahlen.

Fallen der Stadt nicht handwerkliche Fehler auf die Füße?
Dieser Vorwurf ist nicht gerechtfertigt. Der Schaalseehof hat eine lange Geschichte. In seinen Anfängen lag das Bestreben, die Stadt grundsätzlich aus dem Tiefschlaf einer DDR-Grenzstadt zu lösen. Selbstverständlich wurden vor 30, vor 25 und vor 15 Jahren Fehler gemacht oder Entwicklungen einfach nur völlig anders eingeschätzt. Auch Verwaltungen sind lernende Organisationen. Auf der anderen Seite jedoch müssen wir ebenfalls in der Lage sein, Prozesse und Entscheidungen anpassen zu können. Hierfür sind Konsens und Kompromiss nötig. Das sollten wir auch in der jetzigen Diskussion nicht aus den Augen verlieren. Für den Schaalseehof wird es eine Lösung geben, mit der alle leben können.

Wie sehen denn so die Zarrentiner Planungen aus?
Das Ärztehaus ist im Bau, der Schulcampust hat ebenfalls seinen Spatenstich gehabt. Das Betreute Wohnen ist eine feste Planungsgröße. Und der alte Bahnhof wird ein Mehrgenerationenhaus werden. Für das Ärztehaus hat die Stadt sehr viel Geld in die Hand genommen. Dafür suchen wir noch Spezialisten wie einen Kinderarzt, einen Gynäkologen, einen Augenarzt, Röntgen- sowie HNO-Ärzte und so weiter.

Und wo hapert’s?
Zarrentin braucht Konzepte, die auf die nächsten 30 Jahre greifen. Wir brauchen ein Verkehrskonzept, weil der Verkehr immer weiter zunimmt. Zarrentin braucht ein Parkraumkonzept, weil der ruhende Verkehr die Stadt nicht lähmen soll. Wir brauchen ein Wohnraumkonzept, weil die Bevölkerungszahlen aktuell steigen und weiter wachsen sollen. Dazu gehören der weitere Ausbau von Kitas und Schulen, von Spielplätzen, Sportanlagen, Brandschutzeinrichtungen, Feuerwehren und Radwegen. Radwege machen den Schulweg für viele Kinder sicherer. Allein für den Schulcampus haben bisher 11 Firmen die Ausschreibungsunterlagen für das Gewerk Rohbau abgefordert.Wir liegen gut im Zeitplan, um am 11. Dezember die Grundsteinlegung zu feiern. Vielleicht erkennen wir in wenigen Jahren, dass unser Schulcampus dann schon wieder zu klein ist. Ich glaube nicht, dass darin erneut ein handwerklicher Fehler zu sehen ist.

Bildunterschrift:
Klaus Draeger, Zarrentiner Bürgermeister: Stadtentwicklungskonzepte müssen langfristig greifen. Wie soll Zarrentin in 30 Jahren aussehen? Wie viele Menschen müssen versorgt werden? Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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