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Donnerstag, 24. September 2020

Viele Technologien wird‘s gleichzeitig geben

Die Entwicklung der automobilen Zukunft
von Heiko Wruck
GESPRÄCH

Schwerin/gc.
Die Unternehmensgruppe Mühlenhort findet sich einmal in Weyhe, zweimal in Wismar und weitere zweimal in Schwerin. Insgesamt arbeiten rund 80 Menschen für das Unternehmen. In Wismar und Schwerin sind es zusammen um die 50. Aktuell werden 10 Azubis in technischen und kaufmännischen Berufen bei Mühlenhort ausgebildet. Volvo, Land Rover, Seat Service und seit 2016 auch eine Niederlassung für Euromaster werden von der Mühlenhortgruppe betrieben. Im Gespräch mit Geschäftsführer Hendrik Mühlenhort beleuchten wir die Zukunft des Automobils.

Sorgen Sie sich, weil Autos bald elektrisch ohne Fahrer rollen?
Nein, darüber mache ich mir ganz und gar keine Sorgen. Autos werden uns noch lange begleiten. Was sich ändern wird, wird deren Nutzung sein. In der Stadt sieht sie heute schon ganz anders aus als auf dem Land. Komplett verzichtbar sind sie nirgends. Ob sie als Hybride daher kommen, vollelektrisch unterwegs sind, oder mit synthetischen beziehungsweise mit herkömmlichen, vielleicht auch mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden, das alles ändert erstmal nichts daran, dass sie gebraucht und benutzt werden. Und bis zum vollständigen autonomen Fahren wird es noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern.

Brauchen die Autofahrer der Zukunft mehr Geld als heute?
Wer sich wertige und werthaltige Fahrzeuge kauft, wird immer mehr Geld ausgeben. Die Menschen wollen auf den Komfort nicht verzichten. Auch die technische Entwicklung kostet Geld. Das war schon immer so. Dieser Entwicklung müssen natürlich auch die Hersteller folgen. Und Beschäftigte wollen ebenfalls vernünftig verdienen.

Wer kauft heute Autos jenseits der 50.000 Euro?
Firmen, Behörden und Private kaufen sie. Ein Bombenräumkommando, das Landeskriminalamt, die Polizei und andere Behörden wurden von uns ausgestattet. Da ging es um spezielle Einsatzzwecke. Es gab auch normale Fahrzeuge, die gebraucht wurden. Ärzte, Jäger, Anwälte und Landwirte kaufen ebenfalls robuste langlebige Fahrzeuge.

Gibt es die großen schweren Gefährte auch schon elektrisch?
Als Hybride auf jeden Fall. Bei Volvo ist die gesamte Fahrzeugpalette mittlerweile mit Hybridtechnologie ausgestattet. Den Range Rover und den Range Rover Sport gibt es schon als Benzin-Elektro-Hybridfahrzeuge. Den Discovery Sport und den Range Rover Evoque werden wir als Hybridfahrzeuge bereits im Herbst bekommen.



Wird uns die Elektromobilität plötzlich überrollen?
Das glaube ich nicht. Es wird eher so sein, vermute ich, dass sie in den nächsten zehn Jahren immer mehr Raum greift. Aber wir werden noch länger ganz herkömmliche, alternative und super moderne Antriebstechnologien nutzen: also Benzin, Diesel, Autogas, Erdgas, Wasserstoff und elektrischen Strom. Das wird es alles parallel geben.

Aber heute stehen die Zeichen voll auf Elektromobilität.
Ich glaube, zunächst wird sich die Hybridtechnologie spürbar ausweiten. Damit wird die Zukunft schon einmal teilelektrisch. Der Knackpunkt wird das Ladestellennetz. In den Dörfern mag es ja noch sein, dass man schnell an seinem Haus eine Ladestation oder doch wenigstens eine Wallbox anbringt. Auf dem Lande hat man noch Platz. Aber stellen Sie sich mal vor, wie die Innenstädte dann aussehen. Da sind heute bereits Straßen beidseitig beparkt. Kommen dann noch Ladestationen dazu, wird es richtig eng.

Oder man sorgt für unterirdische Induktionsschleifen ...
Ich mag mir gar nicht vorstellen, was das im Städtebau kostet. Und auch nicht jeder Arbeitgeber kann es sich leisten, für seine Mitarbeiter Ladestationen einzurichten und zu unterhalten. Von stundenlangen Ladezeiten mal ganz abgesehen.

Bildunterschrift:
Hendrik Mühlenhort/neuer Defender: Die Elektromobilität wird auch unmittelbar am Land Rover-Autohaus im Schweriner Bremsweg sichtbar. Hier steht eine Elektroladesäule. Übrigens, auch den Defender wird es künftig als Hybrid geben, und für 2021 ist ein vollelektrischer Range Rover angekündigt. Foto: Heiko Wruck

Der Strom von morgen

● „Ein mit Solarkraftwerken bestücktes Quadrat, das 300 Kilometer lang und breit ist, würde ausreichen, um die gesamte Welt mit Strom zu versorgen.“ Quelle: „Katapult“ Nr. 3, Oktober-Dezember 2016, Seite 28 „Die Utopie, die keine mehr ist“
● „Sonnenwärmekraftwerke ... bündeln Licht über Reflektoren (Spiegel) auf einen Punkt, erhitzen diesen und produzieren dadurch Strom ... In der Sahara produziert ein solches Kraftwerk dreimal mehr Strom als in Europa. Hochspannungsleitungen könnten den Strom mit nur 10 Prozent Verlust nach Europa leiten.“ „Katapult“ Nr. 3, Oktober-Dezember 2016, Seite 29/30 „Die Utopie, die keine mehr ist“
● „Ein Jahr hat 8.760 Stunden. Davon weht der Wind auf dem Wasser 8.000 Stunden lang so stark, dass das Stromnetz stabil bleibt.“ „Katapult“ Nr. 3, Oktober-Dezember 2016, Seite 41„Offshore-Windparks in Europa“
● „Im 1. Quartal 2020 wurde in Deutschland mit 72,3 Milliarden Kilowattstunden Strom erstmals mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt und in das Stromnetz eingespeist als aus konventionellen Energieträgern ... Mit 34,9 % der insgesamt eingespeisten Strommenge war die Windkraft erstmals der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung.“ Quelle: Destatis

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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