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Montag, 31. März 2025

Zementierte Erosion

Auf dem Holzweg in die Identitätskrise
... von Heiko Wruck
KOMMENTAR
Lassahn/gc. Gendern ist sexualisierende Grammatik. Sie funktioniert in der sprachlichen Praxis nicht. Schon der Versuch, die folgenden Adjektive zu gendern, scheitert bereits im Ansatz: aus aufklärerisch würde aufklärer_innisch, aus meisterhaft würde meister_innenhaft oder aus anfängerhaft würde anfänger_innenhaft. Wollen wir diesen Unsinn wirklich? Und wenn ja, was haben wir damit gekonnt?

Das generische Maskulinum schließt niemanden aus, dafür aber alle ein. Es bedeutet nicht, Frauen seien mitgemeint. Sie sind gar nicht gemeint! Ebenso wenig wie Männer oder andere Geschlechtsidentitäten. Generische Maskulina wirken geschlechtsübergreifend. Wenn wir den Begriff Regenbogen benutzen, dann weiß jeder, dass dieser sich aus dem kompletten sichtbaren Farbspektrum zusammensetzt. Wer mag, kann trotzdem die Einzelfarben beschreiben.

Ähnlich verhält es sich mit der sogenannten geschlechtsneutralen Ansprache von Personengruppen: Mitarbeitende, Studierende, Radfahrende ... Allerdings: Mitarbeitende arbeiten nicht im Urlaub oder in der Pause. In der Kneipe sitzen keine biertrinkenden Studierenden. Welcher Student studiert bei einem Gelage? Nach einem Massaker an einer Uni betrauert die Bevölkerung keine sterbenden Studierenden. Niemand stirbt und studiert gleichzeitig. Tote Studierende wurden auch noch nicht entdeckt. Haben Sie schon einmal busfahrende Radfahrende gesehen oder radfahrende Busfahrende? Kaum zu glauben. Wie und warum sollte man den Begriff Flüchtling gendern?

Einerseits sollen beim Gendern die binären Geschlechteridentitäten – männlich, weiblich – verschwinden. Andererseits sollen Geschlechteridentitäten betont werden. Also nur ein bisschen schwanger? Verschwinden und Betonen schließen sich beim selben Objekt und Subjekt gegenseitig aus. Die Gleichstellung schließt dagegen alles und alle ein.

Statt Unterschiede, die uns bereichern, zu unterdrücken, sollten wir sie betonen. Vielfalt ist bunt. Sie ist nie einfarbig. Letztlich macht uns die Vielfalt unserer Unterschiede gleich. Aber es gibt auch Hoffnung und Trost. Die Menschheit hat in ihrer Geschichte schon häufiger professoralen Unfug überstanden.

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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