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Samstag, 14. Oktober 2017

Lesen bildet

von Heiko Wruck
GLOSSE
Homo erectus war kein schwuler Menschenaffe mit Dauerständer. Dies literarisch zu vermitteln, ist  unmöglich. Denn die große Weltliteratur taugt nur etwas, wenn man ohne Mühe die versautesten Stellen findet.


Ich kann mich noch gut an „Djamila“ erinnern, Pflichtlektüre in meinem Deutsch­unterricht. Worum es in der Novelle von Tschingis Aitmatow ging, weiß ich längst nicht mehr. Aber ich weiß, dass Djamila eine abgebissene Brustwarze hatte. Nicht Schmerz und Weisheit oder gar eine geistige Horizonterweiterung bieten uns Erbauung und bleiben im Sinn. Nein, nur wenn sich junge Frauen in gynäkologischen Posen rekeln funktioniert höhere Literatur. Erst dann ist der Schmöker richtig geil.

Schmutz, Blut, Schweiß und Tränen sind die Zutaten für guten Sex – und damit für großes Kino oder eben große Weltliteratur. Nur leider sind die Bücher steril geworden, ebenso wie die Filme. Allein deswegen liest kaum noch jemand ein Buch. Und die Kinos bleiben in der Krise gefangen mit dem immer gleichen langweiligen Superhelden-Geschwurbel aus Hollywood.

Es wäre besser, die Protagonisten in Büchern und auf Kinoleinwänden ordentlich Sex haben zu lassen, ohne jedoch ins Pornografische abzugleiten. Man kann sicher sein, dass hier Bildung stattfindet und der Homo erectus wieder zu seinen Ehren kommt.

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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