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Mittwoch, 1. Januar 2020

Der Tag beginnt immer früh

... sagt Renate Colell und frühstückt nach den Tieren
von Heiko Wruck
GESPRÄCH
Zarrentin/gc. Wie startet eine Rangerin in den Tag?
Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Dann werden zuerst die Tiere versorgt: elf Hühner, ein Hahn, ein Hund und ein Hase. Meine Tiere kommen immer zuerst. Erst danach wird gefrühstückt: ein Ei, Porridge mit Milch und Obst, weißer Kaffee. Um 6.45 Uhr geht es dann zur Arbeit.


... ausgedehnte Spaziergänge in einer schönen Landschaft?
Schön wär’s. Aber spazieren gehen reicht leider nicht. Montags beginnt um 8 Uhr die wöchentliche Dienstberatung für alle Ranger. Da werden Probleme beraten, Aufgaben verteilt, Infos ausgetauscht, Verantwortlichkeiten und vieles mehr festgelegt. Wir organisieren die Vorbereitung und die Durchführung von Regionalmärkten, Messen und Ausstellungen. Der Schutz, die Pflege und die Entwicklung von Lebensräumen, Pflanzen und Tieren muss geleistet werden. Die Unterhaltung von Besucherleit- und Informationseinrichtungen ist zu bewerkstelligen. Die Kontrolle der Sicherheit von Treppen, Türmen, Podesten und Anlagen ist eine ständige Aufgabe sowie auch die Meldung von Mängeln. Und die Kontrolle der Einhaltung der Gesetze und Verordnungen gehören zu unseren Tagesaufgaben.

Wie muss man sich das konkret vorstellen.
Wir kontrollieren das Angelgeschehen, behalten den Bootsverkehr im Blick, haben ein Auge auf wilde Müllentsorgung und achten darauf, dass Hunde angeleint in der Landschaft geführt werden.

Gab es mehr oder weniger Müll in den letzten Jahren?
Ich glaube, es ist leider mehr geworden. Es hat sich mittlerweile leider klar herausgestellt, dass es nicht vernünftig ist, frei zugängliche Mülltonnen, Papierkörbe oder sonstige Müllsammelstellen in der Landschaft zu verteilen. Sie wirken geradezu wie Konzentrationspunkte, die immer mehr Müll in die Landschaft holen. Hauptsächlich Haushaltsmüll. Kaum jemand steckt etwas in die Tonne. Auch wild entsorgte Kühlschränke, Fernsehgeräte, Herde und andere technische Geräte finden wir in Wiesen, Wald und Flur.

Das gehört in den Sperrmüll.
Das ist richtig. Aber ich weiß auch nicht, warum so was nicht im Sperrmüll landet. Wir haben ebenfalls schon feststellen müssen, dass ganze Müllladungen von großen Hängern in der Landschaft verkippt werden. Selbst mit Laub und Gartenabfällen gefüllte blaue Plastiksäcke werden so entsorgt. Die Gemeinden sind dann in der Pflicht, diesen Müll zu räumen und zu entsorgen.

Sind freilaufende Hunde ebenfalls ein Problem?
Ja, leider sehr oft. Unbedachtheit, Empathiemangel und Gleichgültigkeit spielen bei vielen Hundeführern eine entscheidende Rolle.

Wie geht man mit Sündern um?
Das kommt auf das Delikt an und darauf, wie sich jemand verhält. Viel Aufklärung ist nötig. Manchmal reicht eine Verwarnung. Gegebenenfalls muss ein Bußgeld verhängt werden oder mehr.

Ist der Klimawandel spürbar?
Auf jeden Fall. Wegen der Dürre sind in 2018 deutlich weniger Pflanzen in die Saat gekommen. 2019 konnte den Verlust nicht auffangen. Es gibt außerdem weniger Insekten und kaum Raupen. Manche Pflanzen wie der große Klappertopf oder manche Lilienarten sind ganz verschwunden. Das Klima hat sich schon immer geändert, aber heute geht alles sehr viel schneller.

Bildunterschrift:
Renate Colell: Natürlich ist auch der Wolf in Südwestmecklenburg ein Thema. Wegen der Nutztierrisse ist Meister Isegrim in den Köpfen der Menschen jedoch sehr viel präsenter als in der freien Natur. Foto: Heiko Wruck

Zur Person
„Ich bin in der Ursprünglichkeit eines Forsthofes aufgewachsen“, sagt Renate Colell. „Das prägt.“
Berufliches: 1979 - 1981 Ausbildung zur Facharbeiterin für Keramtechnik im Fliesenwerk Boizenburg; 1981 ein Jahr Abendschule mit Ausbildung Forstfacharbeiterin/Forstwirtin; Berufswechsel zur Forst als Waldarbeiterin; 1989 Übernahme durch die Landesforst MV; 1998 Mitarbeiterin im Naturpark Mecklenburgisches Elbetal; seit dem 1. Januar 2009 Rangerin im Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe: „Ranger zu sein, ist der schönste Beruf der Welt für mich.“
Privates: geboren am 30. Januar 1962 auf der Entbindungsstation in Wittenburg; aufgewachsen auf dem Forsthof Schildfeld; 1968 - 1971 Dorfschule Bennin; 1971 - 1976 Schule in Bengerstorf (bis zur 7. Klasse); 1976 - 1979 Polytechnische Oberschule Zahrenstorf, Abschluss der 10. Klasse; verheiratet

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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