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Freitag, 21. Februar 2020

Ein heißer Sommer hat immer zwei Seiten

Mehrmals Urlaub, aber mit kürzeren Zeiten
von Heiko Wruck
GESPRÄCH
Plau/gc. Die Kleinstadt Plau am See hat zwei große Wirtschaftsbereiche: die Gesundheitswirtschaft und den Tourismus. Als Luftkurort direkt am Plauer See gelegen und über die Elde-Müritz-Wasserstraße mit der Elbe und der Mecklenburgischen Seenplatte verbunden hat sie hervorragende Voraussetzungen, beide Wirtschaftsbereiche weiterzuentwickeln. Wie dies gelingen kann und welche Herausforderungen es zu meistern gilt, erklärt Michael Wufka, Geschäftsführer der Tourist Info Plau am See GmbH in einem Gespräch.


Herr Wufka, wie lief das Tourismusjahr 2019?
Die aktuelle Bilanz liegt zwar noch nicht vor, aber ich denke, dass wir zufrieden sein können. Gemessen an den Besucher- und Übernachtungszahlen können wir tendenziell seit Jahren immer wieder Steigerungen verzeichnen. Auffällig ist, dass sich die Saison bis Ende Oktober verlängert hat. Gäste und Tagesbesucher dominierten im vergangenen Jahr bis in den Spätherbst hinein das Stadtbild. Die Touristen, Tagesgäste und Wochenendbesucher bringen Leben und nicht zuletzt natürlich auch Geld in die Stadt.

Welche Ursachen sehen Sie für diese Entwicklung?
Eine einzelne Ursache dafür ausfindig zu machen, ist nicht möglich. Werbung, Tourismusmarketing, die hohe Qualität der Gastronomie und der Herbergen sowie natürlich eine große Angebotsvielfalt spielen hierbei eine wichtige Rolle. Klar ist aber auch, dass wir im nahen und im entfernten Umland von einer wunderschönen Natur umgeben sind. Und das Wetter spielt natürlich eine ganz wichtige Rolle. Urlauber und Badegäste mögen trockene heiße Sommer. Davon gab’s in den letzten Jahren reichlich. Das spielt Touristikern in die Hände.

Trockene heiße Sommer haben aber auch eine Kehrseite ...
Das ist gewiss nicht zu leugnen. Zwei maßgebliche Kehrseiten sind natürlich die permanent hohe Waldbrandgefahr und die niedrigen Pegelstände unserer Gewässer. Bis heute haben wir beispielsweise im Durchschnitt um 40 bis 50 Millimeter geringere Wasserstände im Plauer See. Stellenweise sind’s sogar zwischen 60 bis 70 Millimeter. Die Wasserfehlstände des Dürresommers 2018 konnten vom Sommer 2019 nicht ausgeglichen werden. Hinzu kam im vergangenen Jahr das Großfeuer bei Lübtheen. Da musste zeitweise Löschwasser aus den umliegenden Ressourcen in Größenordnungen entnommen werden, die zusätzlich zum heißen Sommer 2019 den Wasserverlust steigerten. Für die Fahrgastschifffahrt können solch niedrige Wasserstände schnell ein Problem werden. So hat beispielsweise die Elbe als Bundeswasserstraße schifffahrtsrechtlich eine höhere Priorität als Gewässer, die „nur“ mit einer Freizeitschifffahrt bewirtschaftet werden. Um die Elbe schiffbar zu halten, muss gegebenenfalls Wasser zurückgehalten werden, dass dann woanders fehlt. Stellenweise konnten Plau private Boote wegen des Niedrigwassers gar nicht mehr ihre Bootshäuser verlassen.

Gibt es Überlegungen, wie man darauf reagieren will?
Der Tourismusmarkt verändert sich stetig. Wegen der internationalen Sicherheitslage bleiben viele Menschen heute im Urlaub lieber in Deutschland. Und es werden mehr, aber kürzere Urlaube gebucht. So ist eine immer eine Aufgabe, entsprechende Kapazitäten und Angebote im Einklang zu halten. Überlaufene Massenabfertigungen sind genauso wenig gefragt wie Mangelangebote. Der Quetziner Heilwald ist so eine konzeptionelle Überlegung. Hier wird auf die Rückkopplung von Gesundheitswirtschaft und Tourismus gesetzt. Viele Menschen werden in unserer Region medizinisch therapiert, lernen die Region kennen und kommen als Urlauber wieder hierher zurück.

Welche kulturellen Höhepunkte stehen für das Jahr 2020 an?
Im Sommer werden wieder die Ritterfestspiele, das Burghoffest und natürlich unsere Badewannenrallye viele Menschen nach Plau am See ziehen. Das Burgmuseum wird sein 20-jähriges Bestehen feiern und Quetzin sein 850. Jubiläum.

Bildunterschrift:
Michael Wulfka, Geschäftsführer der Tourist Info Plau am See GmbH: Der Tourismus hängt maßgeblich von den Wetterverhältnissen ab. Urlauber wünschen sich lange trockene Sommer mit hohen Temperaturen. Andererseits jedoch werden gerade dadurch auch die Tourismusevents beeinflusst, wenn die Natur ausdörrt, die Waldbrandgefahr und niedrige Pegelstände die mobilen Angebote einschränken. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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