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Donnerstag, 12. März 2020

Ärzte in feste Anstellungen übernehmen

Ungewöhnliche Wege in der Daseinsvorsorge
von Heiko Wruck
BERICHT
Goldberg/gc. Die medizinische Daseinsvorsorge ist gegenwärtig für sehr viele Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern eine große Herausforderung. So auch in der Stadt Goldberg sowie im Amt Goldberg-Mildenitz. „In Goldberg hatte bereits im Jahr 2018 die Kinderarztpraxis aus Altersgründen geschlossen“, sagt Marko Kinski.


Der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Goldberg-Mildenitz ergänzt: „Ein Kinderarzt aus Güstrow leistet im Rahmen eines Pilotprojektes in der Arztpraxis Migule mittwoch Dienst, um erkrankte Kinder in Goldberg zu versorgen.“ Doch damit hat sich das medizinische Versorgungsproblem noch nicht erledigt.

Perspektivisch werden zwei weitere Allgemeinmediziner in Goldberg in den Altersruhestand gehen. Ähnlich dünn sieht die Besetzung auch im Amt Goldberg-Mildenitz aus. Aus diesem Grund geht das Amt Goldberg-Mildenitz neue Wege. Sie wollen an zwei Standorten  Medizinische Versorgungszentren (MVZ) einrichten: eines in der Stadt Goldberg, im ehemaligen Brunnenhotel (Stahlbad), Lange Straße 103a. Der andere Standort ist die Biermannsche Scheune in Dobbertin. Dafür werden in Goldberg circa 4 Millionen Euro eingesetzt, in Dobbertin rund 1,5 Millionen Euro. Das Konzept sieht vor, dass beispielsweise niedergelassene Ärzte junge Mediziner nach ihrer Ausbildung als feste Mitarbeiter per Arbeitsvertrag einstellen können. Die beiden neuen Standorte der MVZs könnten dann mit größeren Räumen, neuen Geräten und begleitenden Dienstleistungen wie Physio- und Ergotherapeuten und Sanitätshäuser et cetera die Menschen insgesamt besser versorgen. Im Vorwege hatte es bereits ein Interessenbekundungsverfahren im Umkreis von 80 Kilometern um Goldberg herum gegeben, das positiv verlaufen ist. Für Dobbertin und Goldberg steht die Praxisplanung bereits. Mit der medizinischen Versorgung steht und fällt die Attraktivität eines Stadtortes – wohl für die Wirtschaft als auch als Lebensmittelpunkt für die Menschen. Das weiß man auch in der Verwaltung.

Marko Kinski: „Die jungen Medizinabsolventen scheuen sich oft, als Niedergelassene eine Landarztpraxis zu eröffnen. Sie streben eher Tätigkeiten in Krankenhäusern an, ohne unternehmerische Herausforderungen meistern zu müssen. Dem versuchen wir Rechnung zu tragen. Durch den Aufbau der Medizinischen Versorgungszentren in Goldberg und Dobbertin sowie durch den Praxisraum in Mestlin und durch das Angestelltenmodell bei den niedergelassenen Ärzten schaffen wir die Grundlagen dafür, dass die Stadt Goldberg und das Amt Goldberg-Mildenitz für die Menschen lebenswert bleiben.“

Eventuell müssen sich Kommunen künftig mit der Frage auseinandersetzen, ob sie nicht junge Ärzte und medizinisches Fachpersonal im begrenzen Umfang selbst als Kommunalbeschäftigte anstellen, um die weißen Flecken wenigstens teilweise abdecken zu können. 

Bildunterschrift:
Marko Kinski: Die Gesundheitsversorgung ist keine Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge. Alle ländlichen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern stehen vor der Aufgabe, diese Herausforderungen meistern zu müssen. Das wurde in Goldberg früh erkannt. Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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