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Montag, 8. Juni 2020

Vier von neuzehn Alleen in Arbeit

Lübtheen mit rund 90 Jahre altem Baumbestand
von Heiko Wruck
GESPRÄCH
Lübtheen/gc. Mit ihren Ortsteilen kommt die Stadt Lübtheen in Parks, Alleen und Nebenstraßen auf etwa 20.000 Bäume. Fast alle sind pflegebedürftig. Was dort gerade in Sachen Baumpflege passiert, erklärt Alexander Wulff vom Ordnungsamt Lübtheen in einem redaktionellen Gespräch.

Müssen die Bäume im Zuge der
Verkehrssicherung nicht ständig gepflegt werden?
Das werden sie auch, aber die jetzigen Maßnahmen liegen nicht im Bereich der Verkehrssicherung. Es geht nicht um die Schaffung von Lichtraumprofilen oder um bloße Totholzentnahme. Hier geht es um die Einkürzung der Kronen um bis zu 5 Meter. Die letzte Pflegemaßnahme dieser Art liegt schon lange zurück.

Werden alle 20.000 Bäume geprüft und gepflegt?
Nein, das wäre finanziell für die Stadt nicht leistbar. Gegenwärtig werden vier von neunzehn Alleen bearbeitet. Der Gesamtbestand der Alleebäume ist rund 90 Jahre alt und damit dringend pflegebedürftig. Solche Baumpflegemaßnahmen sind für unseren Bauhof auf solch einem großen ländlichen Stadtgebiet sehr schwierig, zeitintensiv und kaum leistbar. Dazu bedarf es einer Fachfirma.

Man könnte auch einfach
die Bäume fällen und neue setzen.
Hier geht es ganz klar um zwei Dinge: Baumerhalt und Artenschutz. Die Bäume sind im Kern gesund und stellen jeweils eigene Biotope dar. In den Kronen finden sich zudem sehr seltene Käfer, die lange als ausgestorben galten. Allein das Monitoring dafür hat gut ein Jahr gedauert.

Was kostet die aktuelle Pflegemaßnahme?
... insgesamt circa 55.000 Euro. Die Stadt trägt einen Eigenanteil von 11.000 Euro. 44.000 Euro kommen aus dem Alleenfonds des Landes zur Pflege schutzwürdiger Alleen. Diese Förderung ist jedoch an strenge Auflagen gebunden. Die Grabower Baumpflege GmbH setzt die Maßnahmen in Kooperation mit dem Biosphärenreservatsamt und der Stadt um.

Diese Maßnahmen passieren in der Brutzeit. Warum?
Warum dieser Zeitraum ausgerechnet so angesetzt wurde, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Wir hatten deswegen verständlicherweise sehr große Diskussionen. Die Bürger verstehen nicht, warum sie selbst zwischen März und Oktober ihre eigenen Bäume nicht beschneiden dürfen, und wir machen es ihnen vor.

Die Vergabe der Fördung war explizit an Medienveröffentlichungen
gebunden,die durch die Stadt nachzuweisen sind. Wurde das irgendwie erklärt?
Nein, die Notwendigkeit dieser Auflage wurde uns nicht erklärt. Für uns ist sie nur eine Bedingung, um die Förderung zu bekommen. Ohne die Förderung könnte die Stadt diese Baumpflegemaßnahmen nicht leisten. Alles weitere müssen Sie im Ministerium erfragen.

Wenn diese Maßnahme beendet ist,
beginnt dann auch gleich die nächste Maßnahme?
Nein, noch nicht. Auch für weitere solcher Baumpflegemaßnahmen braucht die Stadt finanzielle Unterstützung. Das setzt einen entsprechenden Planungs- und Antragsprozess voraus. Immerhin muss jeder einzelne Baum untersucht und bewertet werden. Das braucht Zeit und Personal. Wir können ja solche Baumpflegemaßnahmen nicht blind beauftragen und durchführen. Bei der Planung ist immer zu berücksichtigen, dass ein so alter Baumbestand praktisch immer und fortwährend pflegebedürftig ist. Da muss man mit seinen Ressourcen sehr gezielt umgehen. Wir freuen uns jedenfalls, dass wir jetzt diese dringende Maßnahme bewerkstelligen konnten.

Bildunterschrift:
Alexander Wulff: Insgesamt müssen in der Stadt Lübtheen und in ihren Ortsteilen rund 20.000 Bäume gepflegt werden. Eine Aufgabe, die Lübtheen nicht ohne Hilfe stemmen kann.  Foto: Heiko Wruck

Kontakt:
Heiko.Wruck@t-online.de
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